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Die FDP ist zurück – und mit ihr längst bekannte Klischees

Die FDP ist in die Bremer Bürgerschaft eingezogen. Warum?

Für Peter Frey, den Chefredakteur des ZDF, war die Sache klar. „Ein knallbuntes Event“ sei der Wahlkampf der Freien Demokraten gewesen, ein „später Nachhall“ auf den Spaßkurs des früheren Parteivorsitzenden Guido Westerwelle. Dessen Nachnachfolger Christian Lindner müsse sich Gedanken machen, so der öffentlich-rechtliche Politikerklärer, ob er seine Wahlkämpfe künftig nicht lieber „seriös“ organisieren wolle. Das war eine Analyse auf dem Niveau der Grünen Jugend, deren Bremer Landesprecherin Alexandra Werwarth die Leistung der konkurrierenden FDP so zusammenfasste: „inhaltlos und Spaß dabei“. Aus Sicht von ZDF und Grünen fanden jene 6,5 Prozent der Bremer Wähler, die sich für die Liberalen entschieden haben, also vor allem die blau-gelb-magentafarbenen Plakate unterhaltsam. Und vielleicht auch noch diese junge Spitzenkandidatin, Lencke Steiner.

Sachaussagen vom Plakatschopf

Die FDP ist zurück, jedenfalls in den Stadtstaaten Bremen und Hamburg, und mit ihr auch die altbekannten Klischees. Es lohnt sich mithin zu hinterfragen, ob die auch stimmen. Ein Blick in die Analysen der Demoskopen nämlich lässt Zweifel daran aufkommen. Danach gaben 60 Prozent der FDP-Wähler an, für sie seien Lösungsvorschläge zu Sachfragen wichtig für ihre Entscheidung in der Wahlkabine gewesen. Bei SPD-Wählern sagten das nur 41 Prozent. Was nicht wirklich verwundert, da der Spitzenkandidat der Sozialdemokraten, Bürgermeister Jens Böhrnsen, es im Wahlkampf besonders dringlich fand, sich als „Katzenfreund“ zu bekennen. „Wer hat da eigentlich einen inhaltsfreien Spaßwahlkampf gemacht?“, fragte FDP-Chef Lindner am Tag nach der Wahl.

22 Prozent der FDP-Wähler immerhin sagten tatsächlich, die Spitzenkandidatin Steiner sei für sie wichtig gewesen. Das kann natürlich daran liegen, dass die 29-Jährige so nett anzuschauen war. Es könnte aber auch daran liegen, dass neben dem blonden Plakatschopf Sachaussagen zu finden waren: zu Bildung zum Beispiel oder Wirtschaftspolitik. Es könnte womöglich sogar daran liegen, dass es die Bürger eines hoch verschuldeten Stadtstaates nicht für ausgeschlossen halten, dass sich die Geschäftsführerin einer mittelständischen Familienfirma, die sich als Bundesvorsitzende des Wirtschaftsverbandes der jungen Unternehmer engagiert und als parteilose Quereinsteigerin für die FDP antrat, mit Einnahmen und Ausgaben besser auskennt als eine grüne Diplom-Psychologin und Röntgenassistentin, die sich zuletzt mit überschaubarem Erfolg als Finanzsenatorin versuchte.

Christian Lindner jedenfalls ließ sich von der Reanimation der alten Klischees nicht provozieren und bemühte sich um Zurückhaltung. „Das ist nicht die Bestätigung, dass die FDP ihr Comeback schon abgeschlossen hätte. Aber es ist eine Ermutigung, diesen Weg mit großer Entschlossenheit weiterzugehen.“ Zum Vorwurf, knallbunt und inhaltsleer zu sein, sagte er: Ja, man habe versucht, in Bremen eine einfallsreiche Kampagne hinzubekommen. Denn irgendwie müsse man die Aufmerksamkeit der Bürger ja darauf lenken, dass da „etwas Neues in der FDP“ entstehe. Entscheidend aber sei immer die „Substanz in der Sache“.

Ob die allein reicht, das werden die Landtagswahlen 2016 belegen müssen. Denn in den für die FDP wichtigen Kernländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz treten, anders als in Hamburg und Bremen, keine weiblichen Jungdynamiker an, sondern Hans-Ulrich Rülke und Volker Wissing.