Theater

Erleichtert präsentiert Michael Müller den neuen Intendanten

Raum 319 im Roten Rathaus ist einfach zu klein. Journalisten drängen sich bis in die hinterste Ecke, als Michael Müller (SPD), der Regierende Bürgermeister von Berlin und Kultursenator, am Freitag gemeinsam mit seinem Kulturstaatssekretär Tim Renner den Nachfolger von Frank Castorf als Intendant der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz vorstellt.

Eine Woche früher als vorgesehen. Sachlich, nüchtern, aber auch mit einer gewissen Erleichterung gibt Müller seiner Überzeugung Ausdruck, dass der belgische Kulturmacher Chris Dercon, seit 2011 Direktor an der Tate Modern in London, „die Erfolgsgeschichte der Volksbühne auch als Ensemble- und Repertoiretheater fortschreiben wird“. Eine spektakuläre Zusammenarbeit solle es werden. „Wenn wir über die Volksbühne reden, ist das kein Angriff auf Personen“, sagt er. „Wir wissen, was wir an unserer Theaterlandschaft haben.“ Müller lobt Frank Castorf, der die Volksbühne immer wieder erneuert und weiterentwickelt habe. Es gehe nun darum, diesen Ball aufzunehmen und weiterzuspielen. Und er betont noch einmal, dass man in Sachen Kommunikation im Vorfeld einiges hätte besser machen können. Dann wäre der seit Wochen tobende Theaterstreit vielleicht weniger heftig ausgefallen.

Erwartung, man hätte eine Findungskommission einsetzen müssen, weist Müller aber entschieden zurück. „Nirgendwo steht geschrieben, dass man eine Kommission braucht. Kommissionen setzt man ein, wenn man keine Vorschläge hat. Wir hatten aber gute Vorschläge. Alles wurde hinter den Kulissen diskutiert und deshalb können wir heute dieses Ergebnis präsentieren.“

Eloquent und charmant erläutert Dercon im Anschluss sein Konzept der Erneuerung und der Verbindung unterschiedlichster künstlerischer Ausdrucksformen. Die Volksbühne werde mit seinem Amtsantritt 2017 nicht anders sein. Aber sie werde sich weiterentwickeln als ein Theater des 21. Jahrhunderts.