Gedenken

Mehr als 25.000 Frauen starben im KZ Ravensbrück

Holocaust-Überlebende kehren an den Ort des Schreckens zurück

Sie sind aus vielen Ländern angereist, um an jenen unheilvollen Ort zurückzukehren, an dem sie unvorstellbares Leid erlitten haben. „Es ist wahrscheinlich das letzte Mal, dass ich hierherkomme“, sagt Herta Iris Avri aus Israel. Als das Konzentrationslager Ravensbrück vor 70 Jahren befreit wurde, gehörte sie zu den jüngsten Häftlingen. „Heute bin ich eine der Ältesten“, stellt die 85-Jährige fest und lässt ihren Blick über das Areal des einst größten Frauenlagers der Nazis auf deutschem Gebiet schweifen. Rund 1500 Gäste aus aller Welt sind am Sonntag ins brandenburgische Fürstenberg gekommen, um der Opfer zu gedenken. Besonders stark vertreten sind Polen und Franzosen, viele im jugendlichen Alter.

Avri sieht die Präsidentin des Internationalen Ravensbrück-Komitees, Annette Chalut, in der Pflicht: „Es obliegt den kommenden Generationen, diese Erinnerung zu bewahren“, sagt sie – und fordert Wachsamkeit: „Das Böse lauert überall. Wir müssen es rechtzeitig erkennen.“ Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) riefen anlässlich jüngster Fälle von Fremdenfeindlichkeit dazu auf, die Gräuel des NS-Regimes nicht zu vergessen.

Aus mehr als 40 Ländern stammten die etwa 132.000 Frauen und Kinder, 20.000 Männer und 1000 weiblichen Jugendlichen, die in Ravensbrück gefangen waren. Mehr als 25.000 Frauen und 2500 Männer starben nach Angaben der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten. Den Überlebenden ist anzusehen, wie schwer die Rückkehr fällt. Mit roten Nelken oder Rosen, Gebeten und Gesängen gedenken sie ihrer toten Mithäftlinge. Weil sie überlebt haben, sehen sie es als ihre Pflicht an, über die Nazi-Gräuel zu berichten. Bis heute.

Sie sind einen langen Weg gegangen, um in ihr Leben vor dem Konzentrationslager zurückzukehren – viele sind bis heute nicht angekommen. Auch Herta Iris Avri lässt die Erinnerung nicht los: „Ich träume immer noch von den Dingen – und dann schreie ich.“ Trotzdem ist sie erneut nach Ravensbrück gekommen. „Ich will mich verabschieden“, sagt die im Rollstuhl sitzende Frau leise.