Flugzeugabsturz

Wie viel ein Menschenleben wert ist

Was werden die Hinterbliebenen des Flugs 4U9525 an Entschädigung bekommen? Schätzungen von Rechtsexperten zufolge hängt das maßgeblich von der Staatsangehörigkeit des Opfers ab. Die Angehörigen der drei US-Passagiere an Bord könnten pro Person bis zu 136-mal mehr erhalten als die der deutschen Schüler. US-Gerichte sind üblicherweise sehr viel großzügiger, was die Entschädigung der Opferfamilien angeht. „Erfahrungswerte zeigen, dass Hinterbliebene von erwachsenen US-Bürgern nach tödlichen Flugzeugunglücken durchschnittlich 4,5 Millionen Dollar (4,1 Millionen Euro) zugesprochen bekommen“, sagt James Healy-Pratt, ein auf Luftfahrtrecht spezialisierter Anwalt in London. Für britische Opfer läge der Durchschnittswert bei 1,6 Millionen Dollar, bei deutschen 1,3 Millionen Dollar.

Für Kinder gibt es weit weniger

Diese Zahlen bezögen sich jedoch auf Erwachsene, die Kinder oder andere finanziell abhängige Personen hinterlassen würden. „Für den Tod von Kindern vergeben US-Gerichte in der Regel rund zwei Millionen Dollar Entschädigung, europäische Gerichte dagegen nur rund 30.000 Euro“, sagt Healy-Pratt. Das Montrealer Übereinkommen begrenzt zugleich die Haftung pro Passagier auf knapp 146.000 Euro – aber nur, wenn die Fluglinie und ihre Mitarbeiter keine Schuld trifft. Wird ihr dagegen eine Mitschuld nachgewiesen, besteht die Begrenzung nicht. Da das Unglück durch eine bewusste Tat des Copiloten ausgelöst wurde, werden Gerichte der Lufthansa höchstwahrscheinlich eine Teilschuld geben.

Wie sich nun die rechtmäßige Summe eines verlorenen Menschenlebens berechnet, darüber entscheiden Gerichte je nach Land recht unterschiedlich. Laut Healy-Pratt würden europäische Gerichte eine Kostenrechnung aufstellen, auf wie viel sich die Beerdigung, die psychologische Betreuung der Hinterbliebenen und die Verdienstausfälle des Verstorbenen summieren würden. „Deutsche Gerichte kalkulieren dabei leider vergleichsweise konservativ“, sagt der Anwalt.

Vermutlich werden die Lufthansa und deren Versicherungen aber alles dafür tun, sich mit den Hinterbliebenen außergerichtlich zu einigen. „Ein langwieriger Rechtsstreit wäre unternehmerischer Selbstmord“, sagte Healy-Pratt.