Spenden

Die spendabelsten Deutschen

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Bei allen Parteien kommen die meisten Geschenke von Einzelpersonen

Womöglich war es Zufall. Vielleicht auch Dankbarkeit. Oder ein Ansporn. Die Motivation ist unbekannt, verbrieft ist nur der Ablauf der Ereignisse: Am Mittwoch, 9. Oktober 2013, gehen bei der CDU mehrere Großspenden ein, von der Unternehmerfamilie Quandt, die Summe beträgt 690.000 Euro. Der FDP, soeben aus dem Bundestag gewählt, überwiesen Johanna Quandt und ihre Kinder Stefan Quandt und Susanne Klatten am selben Tag 210.000 Euro. Es sind Geldgeschenke, die die aller anderen deutschen Parteispender des Jahres weit übertreffen.

Im Sommer hatte die damalige schwarzgelbe Bundesregierung gegen strengere europäische Abgasgrenzwerte für Autos gekämpft. Vor allem große, schwere Oberklasselimousinen hätten Probleme mit härteren CO2-Limits – Oberklasselimousinen wie die von BMW, von jenem Autobauer, an dem Familie Quandt viele Aktien hält. Bundeskanzlerin Angela Merkel erreichte, dass das Thema Abgaswerte von der Tagesordnung verschwand. Womöglich Zufall.

Insgesamt 68 Millionen Euro erhielten Deutschlands Parteien im Wahljahr 2013 an Spenden, von Firmen, Verbänden und Einzelpersonen. Besonders hohe Summen überwiesen Wirtschaftsverbände wie die Metallarbeitgeber und Großkonzerne wie Daimler und BMW. 2,2 Millionen Euro spendeten die Verbände, 6,2 Millionen Euro die Unternehmen. Aber in der Summe profitieren Deutschlands Parteien nicht am stärksten von den juristischen Personen, sondern von den natürlichen: von Menschen mit einem bestimmten Interesse, einer politischen Neigung – und Geld.

Von Unternehmern wie Hans Joachim Langmann zum Beispiel. Langmann war Chef des Pharmaunternehmens Merck und Vorsitzender des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, einer der mächtigsten Interessenvertretungen der Republik. 200.000 Euro spendete er im Wahljahr 2013 an die CDU – Platz vier hinter den Quandts. Ihm folgt Reinfried Pohl, einst Gründer und Lenker der Deutschen Vermögensberatung AG und einer der reichsten Bundesbürger. Auf mehr als drei Milliarden Euro wurde sein Vermögen geschätzt. 90.000 Euro überwies er an die CDU, ebenso viel erhielt die FDP.

CDU und FDP. Schwarz-Gelb. Die Parteien, die als besonders unternehmerfreundlich gelten, sind auch die größten Profiteure der Spenden. Martin Herrenknecht hingegen streut sein Geld ein wenig breiter, begünstigt nicht nur die Union, sondern auch die Sozialdemokraten, allerdings nicht zu gleichen Teilen: Während CDU und CSU gemeinsam 100.000 Euro erhielten, überwies Herrenknecht der SPD nur 30.000. Der Unternehmer transferierte das Geld „als Privatmann“, wie er betont. Aber er ist in Baden-Württemberg auch als Geschäftsmann kein Unbekannter. Aus dem Schwarzwald steuert der Diplom-Ingenieur ein globales Familienunternehmen mit 5000 Beschäftigten und Milliardenumsatz: die Herrenknecht AG, Weltmarktführer für Tunnelbohrer. Seine Maschinen trieben die 57 Kilometer langen Röhren in den Gotthard, unterhöhlten den Bosporus und bereiteten in Berlin der Kanzler-Linie U5 den Weg. Früher hatte Herrenknecht auch die Grünen unterstützt. Früher, das heißt: vor dem Streit um Stuttgart 21. „Weicheier“ nannte der Verfechter des Bahnhofs die Anhänger der Ökopartei damals. Inzwischen soll er den grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann aber zu einem Werksbesuch empfangen haben – unkompliziert und herzlich, wie es heißt.

Überwiegend männliche Spender, konservative Empfänger – so sehen die vorderen Ränge der Spendenliste aus. Dahinter aber wird es bunter. 110.000 Euro überwies der Lübecker Lüder Möller an die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands. Geld aus dem Erbe eines Onkels, wie Möller sagt.

Eine der wenigen Frauen auf der Liste ist Marga Süsselbeck, beschäftigt beim Hannoveraner SPD-Bezirk und seit 1975 Parteimitglied. 83.000 Euro hat sie ihren Sozialdemokraten überwiesen, allerdings gebunden an einen Zweck: Mit dem Geld, so der Wunsch der Dame, soll in Hannover das Kurt-Schumacher-Haus saniert werden – jenes Haus, in dem sie zu der Zeit selbst arbeitete.