Buchenwald

Ein Zeichen der Menschlichkeit

Das Buch von Bruno Apitz war Pflichtlektüre in der DDR. Nun wurde es neu verfilmt

„Nackt unter Wölfen“ will den Schmerz zeigen. Brutal, erschütternd und zutiefst bewegend, von der ersten bis zur letzten Minute schonungslos. Es ist die Geschichte über ein jüdisches Kind, das 1945 in einem Koffer in das Konzentrationslager Buchenwald geschmuggelt wird, und die Neuverfilmung jenes Romans von Bruno Apitz, der an DDR-Schulen Pflichtlektüre war. Ein Film, der Trauer und Anteilnahme möglich machen soll, sagt Produzent Nico Hofmann: „Das geht nur, indem man den Schmerz mitnimmt, den Schmerz an sich ranlässt.“

Dabei war das Projekt durchaus ein Wagnis. Den meisten in der DDR Aufgewachsenen ist das 1958 erschienene und in mehr als 30 Sprachen übersetzte Buch des Buchenwald-Häftlings Apitz (1900–1979) bekannt – ab 1970 war es Pflichtlektüre im Unterricht. Die DEFA-Verfilmung (1963) von Frank Beyer mit Schauspielern wie Erwin Geschonneck, Armin Mueller-Stahl und Fred Delmare ist ebenso vielen Ostdeutschen vertraut. 2012 erschien die um frühere Textentwürfe von Apitz und neuere historische Erkenntnisse erweiterte Neuauflage des Buches. Diese lieferte die Basis für die Verfilmung, die zehn Tage vor dem 70. Jahrestag der Befreiung Buchenwalds zu sehen ist.

Die Geschichte, die schon viele Leser bewegt hat: Ein dreijähriger Junge, versteckt im Inneren eines Koffers, wird im Frühjahr 1945 ins KZ Buchenwald auf dem Ettersberg bei Weimar geschmuggelt. Eine Gruppe von Häftlingen versteckt ihn vor der SS. Mithilfe des illegalen Lagerkomitees könnte das Kind verborgen werden – gleichzeitig könnte das die geheime Widerstandsgruppe gefährden, die sich auf die letzte Auseinandersetzung mit der SS vorbereitet. Hans Pippig (Florian Stetter, in der DEFA-Verfilmung Fred Delmare) ist bereit, sein Leben für das Kind zu riskieren: „Wenn wir den Jungen opfern, opfern wir alles.“ Obwohl es das Leben aller gefährdet, helfen ihm schließlich auch andere Häftlinge. Ein Zeichen ihrer Menschlichkeit.

Apitz’ Witwe Kiki sagte der „Thüringischen Landeszeitung“ über die Neuverfilmung: „Es ist gut, dass man den Film gemacht hat.“ Das Ende sei nicht mehr so pathetisch und der Wahrheit entsprechender, meinte sie: „Ich finde vor allem den Anfang sehr schön, weil er kurz anreißt, wie ein junger Mensch von den Nazis aus dem Leben gerissen und in die Lagerhölle gesteckt wird.“ Ob sich ihr Mann über die Neuverfilmung gefreut hätte? „Ja, da bin ich ganz sicher.“ Freuen kann sich die Produktionsfirma Ufa Fiction: Das Literaturdrama hat sich bereits zum Exportgut entwickelt. Der französische Kanal M6 etwa wird den Film am 8. April ausstrahlen.