Flugzeugabsturz

Schadenersatzansprüche der Hinterbliebenen sind unbegrenzt

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Anne Kunz

Die Entschädigungen könnten aber sehr unterschiedlich ausfallen. Ausschlaggebend sind der Beruf und das Alter des Verunglückten

Die Tatsache, dass der Absturz des Airbus A320 in den französischen Alpen wahrscheinlich absichtlich herbei geführt wurde, hat auch Folgen für die Schadensumme, die die Lufthansa-Tochter Germanwings für die rund 150 Opfer zahlen muss. Da das Unglück nicht durch einen technischen Fehler, sondern das Verschulden eines Mitarbeiters der Airline ausgelöst worden ist, sind die Schadensansprüche der Hinterbliebenen prinzipiell unbegrenzt. Im Falle eines technischen Fehlers wären diese laut dem sogenannten Montrealer Abkommen auf rund 140.000 Euro begrenzt geblieben.

Die Entschädigungen könnten aber dennoch weiterhin sehr unterschiedlich ausfallen. Ausschlaggebend sind die Lebensumstände, der Beruf und das Alter des Verunglückten. Wie hoch war der bisherige Arbeitsverdienst und das erwartete zukünftige Erwerbseinkommen, hatte er Kinder, oder bestehen gegenüber anderen Personen Unterhaltspflichten? Wie viel die Haftpflichtversicherung pro verunglücktem Passagier auszahlt, variiert auch von Land zu Land. Besonders hoch sind die Summen bei US-Passagieren. Die Versicherer halten sich mit Schätzungen über mögliche Schadenersatzansprüche von Betroffenen zurück. Teilweise könnten jedoch für die 150 Todesopfer Millionenbeträge gefordert werden.

Generell gilt, dass die Schadenersatzansprüche für Hinterbliebene von Kindern geringer ausfallen als für die von Erwachsenen. „Das ist eine gewisse Ungerechtigkeit im Rechtssystem“, sagt der Honorarprofessor für Lufttransportrecht, Wolf Müller-Rostin. Zudem gibt es wahrscheinlich nur geringe Schmerzensgeldansprüche für die Hinterbliebenen, weil die Menschen an Bord sofort verstorben sind und die Panik des nahenden Todes nur wenige Sekunde aushalten mussten. Das geht zumindest aus der bisherigen Auswertung des Stimmrekorders hervor.

Ein Flugzeug ist fast wie ein Auto versichert – nur sind die Summen, um die es geht, deutlich höher. Es gibt eine klassische Kaskoversicherung, die Schäden direkt an der Maschine übernimmt oder bei Totalverlust, wie bei einem Absturz, ihren Zeitwert ersetzt. Die Höhe der Versicherung liegt bei einem Airbus in der Regel bei etwa 100 Millionen Euro. Der Wert der Luftfrachtführerhaftpflichtversicherung kann hingegen bei knapp einer Milliarde Euro liegen. Diese Versicherung haftet für Schäden bei den Passagieren und beim Reisegepäck. Sie übernimmt also auch die Schadenersatzforderungen, die Angehörige von Opfern nach einem Flugzeugunglück stellen.

Viele Versicherer

Im Falle der Lufthansa-Tochter wäre davon zwar auch die Allianz betroffen – allerdings nicht alleine. Hinter ihr steht ein Konsortium von mehreren Versicherern, die sich ebenfalls an der Schadenssumme beteiligen werden. Darunter die HDI-Gerling. Solche Risiko-Pools sind durchaus üblich, um die Last auf mehrere Schultern zu verteilen. Erstversicherer reichen solche großen Risiken meistens zum Teil an Rückversicherer weiter.

Die Industrieversicherungssparte der Allianz, Allianz Global Corporate & Specialty, äußerte sich zu dem Unglück unterdessen zurückhaltend. „Es wäre zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht angemessen, dieses tragische Ereignis zu kommentieren. Wir können nicht mehr sagen, als dass unsere Gedanken bei jenen sind, die von diesem Unglück betroffen sind“, sagte eine Sprecherin der Versicherung. „Wir stehen bereit, unsere Kunden so umfassend und so schnell wie möglich zu unterstützen, und arbeiten dabei eng mit den anderen beteiligten Versicherern zusammen.“

Bei der Talanx-Tochter HDI-Gerling hieß es: „Unser Mitgefühl ist angesichts dieses tragischen Unglücks bei den Angehörigen der Opfer. Wir tun alles dafür, den Angehörigen der Opfer unbürokratisch und unkompliziert zu helfen. In einer Ersteinschätzung als Mitversicherer gehen wir davon aus, dass der Schaden in unserem Segment Industrieversicherung einen Großschaden für uns darstellen wird, der uns netto im einstelligen Millionenbereich belasten dürfte.“