Gedenken

Entsetzen, Fassungslosigkeit, Trauer

Bundestagspräsident: Angehörige gehen durch „unbeschreiblich schwere Zeit“

Ein Moment der Stille auf Flughäfen, in Bahnhöfen, in Klassenzimmern und in Werkshallen: Mit einer Schweigeminute haben am Donnerstagvormittag viele Menschen in Deutschland an die 150 Toten – darunter an die 75 deutschen Opfer – der Germanwings-Katastrophe erinnert. Vor allem in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gab es um Punkt 10.53 Uhr Gesten des Gedenkens. Um diese Uhrzeit war am Dienstag die Funkverbindung zu der Maschine mit der Flugnummer 4U9525 abgebrochen.

Auch der Bundestag hat der Opfer gedacht. „Wir trauern mit den Angehörigen und Freunden der Opfer“, sagte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) in Berlin zu Beginn der Plenarsitzung am Donnerstagmorgen. Die Hinterbliebenen gingen durch eine „unbeschreiblich schwere Zeit“. Die Angehörigen werde auch eine Erklärung nicht über den Schmerz und den Verlust trösten, sagte der Bundespräsident. „Wir sind in Gedanken bei ihnen.“ Das Unglück habe Deutschland, Spanien und Frankreich in Schock und Schmerz vereint. Deutschland habe viel internationale Anteilnahme erfahren und sei dankbar dafür.

Über jedes Vorstellungsvermögen

Angehörige zu verlieren, traumatisiert die Menschen. Das Leid ist kaum zu begreifen. Noch dramatischer sei es aber, wenn das Unglück mit Absicht eingeleitet wurde, wie im Fall des verunglückten Germanwings-Fliegers, sagte die Trauerbegleiterin Mechthild Schroeter-Rupieper. Nach ihrer Einschätzung führen die neuesten Erkenntnisse zu neuer Fassungslosigkeit. „Die Frage nach dem Warum wird noch größer“, erläuterte Schroeter-Rupieper. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich ebenfalls schockiert über die jüngsten Erkenntnisse zum Flugzeugabsturz in den französischen Alpen.

Die Bundeskanzlerin wandte sich am Donnerstag erneut an die Angehörigen der Opfer und die Öffentlichkeit und sagte, dieser Tragödie sei eine neue und „schier unfassbare Dimension“ gegeben worden. Wenige Stunden zuvor hatten die französischen Ermittler erklärt, der Copilot habe den Airbus mit 150 Menschen an Bord absichtlich zum Absturz gebracht. „So etwas geht über jedes Vorstellungsvermögen hinaus“, sagte Merkel. Diese Nachricht treffe sie wie alle anderen Menschen auch. Sie denke an die Angehörigen, „die jetzt so schrecklich leiden“, so die Bundeskanzlerin. Umso wichtiger bleibe, dass weiter ermittelt werde und die Hintergründe des Absturzes vollständig aufgeklärt würden, sagte die Kanzlerin.

Gegenüber den Angehörigen erneuerte sie ihr Versprechen vom Vortag, dass die Bundesregierung alles tun werde, um die Ermittlungen zu unterstützen. Am Mittwoch hatte die Kanzlerin gemeinsam mit dem französischen Staatspräsidenten François Hollande und dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy den Unglücksort in den französischen Alpen aufgesucht.

Anteilnahme hilft

Nach Ansicht des evangelischen Theologen Nikolaus Schneider hilft die öffentliche Anteilnahme bei der Trauerbewältigung. Zu erfahren, dass sie nicht allein seien, helfe den Angehörigen der Opfer, hatte der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland bereits am Mittwochabend in der ARD-Talkshow „Anne Will“ gesagt. „Gehalten zu werden von einem Netz von Menschen tut gut, aber der Schmerz bleibt“, sagte Schneider.