Flugzeugabsturz

„Möglicherweise hat verunreinigte Luft zur Bewusstlosigkeit geführt“

Die Piloten konnten nicht mehr reagieren, sagt ein Hamburger Luftfahrtexperte

Die Route wurde stur beibehalten, der andauernde Sinkflug war nicht sinnvoll, sagt Andreas Spaeth aus Hamburg. Er ist ein Experte der internationalen Luftfahrt.

Berliner Morgenpost:

Von Flugsicherheitsexperten hören Sie, dass die Piloten eventuell nicht mehr handlungsfähig waren, als der Sinkflug begann. Was spricht für diese Theorie?

Die bekannten Fakten des Fluges geben Rätsel auf, denn klar ist, dass offenbar ein bewusst eingeleiteter, schneller Sinkflug stattgefunden hat, die Piloten dennoch nicht kommuniziert haben. Vor allem aber haben sie den Kurs bis zum Absturz nicht verlassen. Das ist nicht nachvollziehbar, weil es so scheint, als hätte der Autopilot weiter das Flugzeug geflogen. Bei einem echten Notfall hätten die Piloten immer versucht, einen Notruf abzusetzen und vor allem die Flugsicherung zu warnen, dass sie unplanmäßig sinken, um die Luftstraßen freizuhalten, damit es nicht zu Kollisionen kommt.

Die Piloten haben den Kurs gehalten.

Normalerweise hätten sie versucht, abzudrehen und einen nahegelegenen Flughafen in Nizza oder Marseille anzufliegen. Deswegen sagen mir Sicherheitsexperten und Piloten, dass sie glauben, dass die Piloten im Cockpit der Maschine von einem frühen Zeitpunkt des Sinkflugs an nicht mehr handlungsfähig waren. Es gibt sogar die Möglichkeit, im Autopiloten eine Sinkrate einzuspeichern, man programmiert also, dass man pro Minute mit soundso viel Fuß sinken möchte. Möglicherweise haben die Piloten das noch eingegeben, deswegen ist das Flugzeug auch so planmäßig mit gleichmäßigem Sinkwinkel abgesunken, aber dann eben auf eine Höhe, die nicht sinnvoll war. Zu dem Zeitpunkt konnten die Piloten dann aber schon nichts mehr tun, weil sie wahrscheinlich bewusstlos waren.

Was kann ein Grund für den Sinkflug gewesen sein?

Möglicherweise gab es einen Triebwerksausfall. Dann muss das Flugzeug auf eine Mindesthöhe sinken, auf der man auch mit nur einem Triebwerk fliegen kann. Möglicherweise hat dann verunreinigte Luft, aus dem Triebwerk kommend, zur Bewusstlosigkeit der Piloten geführt.

Verunreinigte Kabinenluft gab es schon einmal bei einem Germanwings-Flug.

2010 wurden die Piloten beim Anflug auf Köln fast ohnmächtig, was später auf giftige Dämpfe im Cockpit zurückgeführt wurde. Dass die Bewusstlosigkeit nicht innerhalb von Sekunden eintritt, sieht man daran, dass die es noch schafften, sich die Sauerstoffmasken aufzuziehen. Wann es bei der Maschine nach Düsseldorf begonnen hat, kann man nicht sagen, aber wahrscheinlich war es zu spät, als die Piloten es merkten.

Gibt es noch andere Gründe für Handlungsunfähigkeit?

Die physischen Umstände des Fluges bewirken keine Bewusstlosigkeit. Aber wenn die Piloten nicht mehr handlungsfähig waren, dann waren die Passagiere auch nicht mehr bei Bewusstsein, denn Piloten haben immer größere Sauerstoffvorräte im Cockpit. Die Wahrscheinlichkeit ist also sehr hoch, dass die Passagiere nicht erlebt haben, was ihnen bevorsteht.