Flugzeugabsturz

Was passierte im Cockpit?

Die Gründe für den Absturz sind unklar. So wird über den Bruch einer Cockpitscheibe diskutiert

Bei der Suche nach den Ursachen des Airbus-Absturzes sind am Mittwoch erste Daten des Stimmenrekorders ausgewertet worden, doch ergab dies „nicht den geringsten Hinweis“, wie französische Ermittler mitteilten. Die Auswertung dürfte wohl Wochen, wenn nicht sogar Monate dauern. Schon am Dienstagabend hatte der Lufthansa-Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr versichert, der verunglückte Airbus der Tochter Germanwings sei „in hervorragendem technischen Zustand“ gewesen. Einen Zusammenhang zwischen dem Absturz und einer Reparatur der Maschine am Tag zuvor schloss Spohr aus.

Eine von Piloten ernsthaft diskutierte Theorie ist der Bruch einer der Cockpitscheiben und ein dadurch ausgelöster plötzlicher Druckabfall. Geschieht dies in 38. 000 Fuß Reiseflughöhe (11.500 Meter), sind die Piloten, wenn nicht durch Trümmerteile schon verletzt oder gar getötet, unvermittelt rund 800 Kilometer pro Stunde schnellem und minus 60 Grad kaltem Wind ausgesetzt, was kontrolliertes Handeln unmöglich macht. Dazu kommt der plötzliche Sauerstoffmangel, der in dieser Höhe in rund 15 bis 20 Sekunden zur Bewusstlosigkeit führt.

Der eingeleitete Sinkflug lässt sich erklären, „wenn einer der Piloten trotz der Schäden noch genügend Zeit hatte, den Autopiloten, wie in einem solchen Notfall verlangt, auszuschalten und die Nase der Maschine herunterzunehmen, bevor er ebenfalls handlungsunfähig war“, so ein Airbus-A320-Pilot. Die Computer des Airbus würden das Flugzeug dann konsequent auf der einmal eingeschlagenen Sinkrate halten. Das automatische Schubsystem hält die Geschwindigkeit, der Kurs würde von den Flugrechnern ebenfalls nicht verändert, „bis ein erneuter Input der Piloten erfolgt“. Erfolgt der nicht, behält das Flugzeug diese Fluglage bis zum Aufprall ein. Andere Szenarien wie Rauch oder giftige Gase im Cockpit oder ein Druckabfall in der Kabine würden den Piloten jeweils genügend Zeit lassen, einen Notruf abzusetzen.

Millionen Euro Schadenersatz

Auch wenn noch unklar ist, was der Grund für den Absturz des Airbus A320 in den französischen Alpen war, wird die Lufthansa für die 150 Menschen an Bord wohl hohe Schadensummen bezahlen müssen. Branchenkenner gehen von mehreren Hundert Millionen Euro aus. Hauptversicherer der Maschine ist die Münchner Allianz. Ein Flugzeug ist fast wie ein Auto versichert – nur sind die Summen weit höher. Es gibt eine klassische Kaskoversicherung, die Schäden am Flugzeug übernimmt oder bei Totalverlust den Zeitwert ersetzt. Die Versicherungssumme liegt bei einem Airbus in der Regel bei etwa 100 Millionen Euro.

Die „Luftfrachtführerhaftpflichtversicherung“ hingegen haftet für Schäden beim Reisegepäck und bei Passagieren. Sie übernimmt auch Schadenersatzforderungen der Angehörigen von Opfern. Die Versicherungssumme liegt bei knapp einer Milliarde Euro. Im Falle von Germanwings haftet ein Konsortium von mehreren Versicherern. Solche Risikopools sind üblich, um die Last zu verteilen. Wie viel die Haftpflichtversicherung pro verunglücktem Passagier auszahlt, variiert von Land zu Land. Als besonders teuer gelten US-Passagiere, weil in den USA hohe Schadenersatzklagen geltend gemacht werden. Mit dem Warschauer Abkommen über die Beförderung im internationalen Luftverkehr von 1929 wurde einst versucht, Standards einzuführen – indem die Haftungsgrenze pro Passagier auf 75.000 US-Dollar begrenzt wurde, unabhängig von der Frage, ob die Airline schuld ist am Unglück. Das Abkommen wurde durch neue Verträge ergänzt, zuletzt durch ein Abkommen, das Ansprüche bei etwa 140.000 Euro deckelt, wenn die Airline keine Mitschuld trägt.