Migration

Berlin erwartet 20.000 Flüchtlinge in diesem Jahr

– Die Hauptstadt wird in diesem Jahr nach Schätzungen des Senats 20.000 weitere Flüchtlinge aufnehmen müssen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) rechnet in Deutschland mit 250.000 Erst- und 50.000 Folgeanträgen von Asylbewerbern in diesem Jahr. Berlin muss nach dem Verteilungsschlüssel für die Bundesländer fünf Prozent dieser Flüchtlinge unterbringen. Das wären nach der aktuellen Prognose des Amtes 15.000. Doch Sozialsenator Mario Czaja (CDU) kalkuliert seit etlichen Monaten einen Sicherheitspuffer von 30 Prozent ein, weil das Bundesamt seine Schätzungen regelmäßig nach oben korrigieren musste. Möglicherweise reicht aber auch dieser Puffer nicht aus. In den ersten sechs Wochen des neuen Jahres kamen 3000 Menschen nach Berlin. Rechnet man diese Zahl auf das Gesamtjahr hoch, wären es sogar 26.000 Asylsuchende.

Um schnell weitere Gemeinschaftsunterkünfte eröffnen zu können, hatte der Senat im vergangenen Herbst beschlossen, sechs Containerdörfer mit insgesamt 2400 Plätzen auf landeseigenen Grundstücken zu errichten. Ende vergangenen Jahres wurde das erste eröffnet und ist inzwischen komplett belegt. Es steht in Köpenick und bietet Platz für 400 Menschen. Möglichst bis Ende Mai sollen die übrigen fünf Containerdörfer in Pankow, Lichtenberg, Marzahn und Steglitz-Zehlendorf gebaut sein. Derzeit ist aber nur eine Anlage mit 480 Plätzen in Pankow im Bau. Sie soll im April in Betrieb gehen.

Neue Unterkünfte eingerichtet

Um den stetigen Zuzug von Asylbewerbern zu bewältigen, hat das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) seit Beginn dieses Jahres acht weitere Flüchtlingsunterkünfte eröffnet. Zwei Gemeinschaftsunterkünfte mit insgesamt rund 400 Plätzen wurden in Weißensee und Reinickendorf eingerichtet. Zudem wurden sechs Notunterkünfte geschaffen. Seit wenigen Tagen wird die ehemalige Psychiatrieklinik der Charité an der Eschenallee in Westend (Charlottenburg-Wilmersdorf) bezogen, weitere Notunterkünfte wurden in Tempelhof, in der Cité Foch (Reinickendorf), in Britz (Neukölln), in Spindlersfeld (Köpenick) und in Kreuzberg eröffnet. Seit Jahresbeginn hat die Sozialverwaltung mehr als 1700 Plätze für Flüchtlinge neu geschaffen.

Zurzeit bringt das Lageso knapp 14.500 Flüchtlinge in Gemeinschafts- und Notunterkünften unter, weitere 500 in Hostels. Die meisten Flüchtlinge – jeweils 1800 bis 2000 – leben in Heimen in Lichtenberg, Mitte und Spandau. Neukölln beherbergt dagegen nur knapp 500 Asylsuchende, Marzahn-Hellersdorf 650. In den ersten Wochen des neuen Jahres lagen bei den Herkunftsländern Syrien, das Kosovo, der Irak, Pakistan und Afghanistan vorn. Wie in anderen Bundesländern sei aber auch in Berlin seit Anfang März ein Rückgang von Flüchtlingen aus dem Kosovo zu verzeichnen, sagte eine Sprecherin des Landesamtes. Beobachter sehen den Grund dafür in der erheblich verkürzten Bearbeitung ihrer Asylanträge. Etliche Kosovaren seien schon nach wenigen Wochen in Deutschland zurückgeschickt worden. Das zeige Wirkung.