Migration

Zuwanderer freundlich empfangen

Bertelsmann-Umfrage: Bürger erwarten mehr Anpassung und sehen Vorteile für Unternehmen

Deutschland ist ein Einwanderungsland – an diesen Gedanken scheinen sich die Deutschen langsam zu gewöhnen. Sechs von zehn Befragten sagen, Einwanderer werden freundlich empfangen. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann Stiftung, für die das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid im Januar mehr als 2000 Menschen in Deutschland befragt hat. Im Vergleich zur Vorgängerstudie aus 2012 lässt sich ablesen, dass die Deutschen Einwanderer heute offener empfangen als noch vor drei Jahren: Damals meinte nur die Hälfte der Bevölkerung, dass Migranten freundlich aufgenommen werden. Die Willkommenskultur in Deutschland wächst.

„Das Einwanderungsland Deutschland gewinnt an Reife“, sagt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. „Die Ansprüche der Deutschen sind gewachsen, sowohl an die Bereitschaft der Einwanderer, sich zu integrieren, als auch an die eigene Willkommenskultur.“ Nach Ansicht von 68 Prozent der befragten Migranten werden Einwanderer auch von staatlichen Stellen willkommen geheißen – elf Prozent mehr als drei Jahre zuvor sagen dies. 73 Prozent der Deutschen ohne Einwanderungsgeschichte glauben, dass die Behörden eine Willkommenskultur gegenüber Migranten entwickelt haben (2012: 66 Prozent).

Was erwartet die Bevölkerung von Einwanderern? Nahezu alle Befragten finden, dass sich Zuwanderer um ein gutes Zusammenleben mit Deutschen bemühen sollten (2012: 88 Prozent). Drei Viertel der Befragten erwarten, dass sich Migranten an die deutsche Kultur anpassen, 80 Prozent wünschen sich, dass sie mehr von ihrer eigenen Kultur vermitteln. Ob Zuwanderung nun nutzt oder schadet, in dieser Frage sind Deutsche nach wie vor hin- und hergerissen. Einerseits sehen sie klare Vorteile für die Ansiedlung internationaler Firmen (68 Prozent), ein interessantes Leben in Deutschland (67 Prozent) und die demografische Entwicklung (60 Prozent). Andererseits fürchten sie zusätzliche Belastungen für den Sozialstaat (64 Prozent), Konflikte zwischen Einheimischen und Einwanderern (63 Prozent) und Probleme in den Schulen (61 Prozent).

Die Skepsis ist bei Ostdeutschen deutlich höher als bei Westdeutschen, ob Schulprobleme (Ost: 64 Prozent, West: 61 Prozent), vermeintliche Belastung des Sozialstaats (69:63 Prozent) oder Konfliktpotenzial (73:61 Prozent). Während in Westdeutschland lediglich ein Drittel der Befragten glaubt, Einwanderer seien in Deutschland in der Bevölkerung nicht willkommen, glaubt das im Osten fast jeder Zweite (47 Prozent). Im Vergleich zur Erhebung von 2012 haben sich beide Landesteile in gegensätzliche Richtungen entwickelt.