Interview

„Linksextreme entziehen sich oft dem politischen Dialog“

Linksextreme Einstellungen sind weit verbreitet. Das zeigt die Studie „Gegen Staat und Kapital – für die Revolution!“, die ein Forscherteam der Freien Universität Berlin erarbeitet hat. Auch Demokratiefeindlichkeit und die Ablehnung der sozialen Marktwirtschaft gehören zu einem linksextremen Weltbild, sagt Professor Klaus Schroeder, der Leiter des Teams.

Berliner Morgenpost:

Wie viele Bürger haben linksextremistische Einstellungen?

Professor Klaus Schroeder:

Bei unserer Umfrage 2014 zeigten vier Prozent der Befragten ein nahezu geschlossenes linksextremes Weltbild. Weitere 13 Prozent sind an der Trennlinie zwischen Linksradikalismus und Linksextremismus, gehören aber zum Teil noch zum demokratischen Spektrum.

Gibt es Unterschiede zwischen Ost und West, Jung und Alt?

Die Unterschiede sind auffällig. In Ostdeutschland gibt es, wohl als Folge der DDR-Sozialisation, einen wesentlich höheren Anteil an Bürgern mit linksradikalen und linksextremen Einstellungen. Auch haben Jüngere zwischen 16 und 29 Jahren eher so ein Weltbild als ältere.

Ist Linksextremismus in Berlin überdurchschnittlich stark vertreten?

Berlin stellt vier Prozent der 1400 Befragten. Aber: Neun Prozent der Befragten mit einem nahezu geschlossenen linksextremen Weltbild kommen aus Berlin. Also ist die Hauptstadt überproportional vertreten.

Eine Anwohnerversammlung zum Görlitzer Park musste in der Vorwoche nach lautstarken Protesten abgebrochen werden. Ein Beispiel für Linksextremismus?

Ähnliches erleben wir auch im universitären Alltag. Es ist eine Minderheit, die versucht, andere niederzubrüllen. Leider entziehen sich Linksextreme oft dem politischen Dialog, setzen sich nicht wirklich inhaltlich mit dem anderen auseinander. Hier darf man nicht nachlassen, muss immer wieder inhaltlich konfrontativ mit ihnen umgehen, um zu zeigen, dass man die besseren Argumente hat.