Terror

Netanjahu ruft Europas Juden nach Israel

Regierung in Jerusalem sieht Gläubige nach Anschlägen in Gefahr

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat die Juden in Europa nach den Terroranschlägen auf das Kulturcafé „Krudttönden“ und eine Synagoge in Kopenhagen zur Auswanderung in den jüdischen Staat aufgerufen. „Juden wurden auf europäischem Boden ermordet, nur weil sie Juden waren“, sagte Netanjahu während einer Kabinettssitzung in Jerusalem. „Diese Terrorwelle wird weitergehen.“ Er wende sich an die Juden in Europa: „Israel ist eure Heimstätte.“ Die Regierung plant nach Netanjahus Worten, mit Hilfe eines mit umgerechnet rund 40 Millionen Euro ausgestatteten Plans zu einer „großen Einwanderung“ zu animieren. Er sprach vor allem die Juden in Frankreich, Belgien und der Ukraine an. Der höchste Rabbi Dänemarks, Jair Mechior, sagte, er sei enttäuscht über Netanjahus Aufruf: „Terror ist kein Grund, nach Israel zu ziehen.“ Auf die Anschläge in Paris im Januar, bei denen auch vier Juden getötet worden waren, hatte Netanjahu bereits mit einem ähnlichen Aufruf reagiert.

Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, sprach von einer „Zuspitzung des Terrors in Europa“. Mitten in der aufgeklärten Gesellschaft hätten sich barbarische Kräfte radikalisiert, die unsere Lebensweise verachten, sagte sie am Sonntag. Die Politik müsse härter gegen islamistische Strömungen vorgehen.

Die jüdische Gemeinde in Kopenhagen stand nach dem Anschlag auf die Synagoge in der Krystalgade unter Schock. Dabei war ein 37-jähriger Mann jüdischen Glaubens getötet worden, der wegen einer Bat-Mizwa-Feier vor dem Gotteshaus Wache hielt. „Ich bin schockiert. Alle sind schockiert“, sagte der Vorsitzende der Gemeinde, Dan Rosenberg Asmussen, dem dänischen Fernsehen. „Das ist das, was wir immer befürchtet haben. Und das, wovor wir die ganze Zeit gewarnt haben, dass es in Dänemark passieren könnte.“

Die Vereinigung der Europäischen Juden forderte am Sonntag einen besseren Schutz für ihre Mitglieder. Generaldirektor Menachem Margolin sagte in Brüssel, alle jüdischen Einrichtungen müssten jeden Tag rund um die Uhr bewacht werden. Das müssten die Regierungen und die EU sicherstellen. Der EU warf er vor, nicht energisch genug gegen antisemitische Attacken und Vorurteile vorzugehen. Eine Taskforce müsse nicht nur für mehr Sicherheit sorgen, sondern auch die Schulbildung verbessern, um „zügellosem Antisemitismus“ entgegenzutreten: „Die europäischen Führer müssen uns in der Schlacht gegen den Terror in unserer Heimat unterstützen.“