Schockierende Gewalttat

Glücklich und frei statt Zwangsheirat und Gewalt

Hatun Sürücü war eine Deutsche, ihre Einbürgerungsurkunde nahm sie im Rathaus Schöneberg entgegen.

Es hat also eine gewisse Logik, dass Politiker und Vertreter von Hilfsvereinen und Frauenrechtsorganisationen, zehn Jahre, nachdem sie von ihrem Bruder im Namen einer falsch verstandenen „Ehre“ ermordet wurde, im Rathaus Schöneberg zusammen kamen, um ihrer zu gedenken.

Berlins Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) erinnerte daran, dass es in Deutschland noch immer Ehrenmorde gibt. Sexistische Ansichten, wie die eines Predigers, der Frauen kürzlich jegliches Recht auf Selbstbestimmung absprach, hätten in Deutschland keinen Platz. Zwangsverheiratungen müssten auch dann bestraft werden, wenn sie nur rein religiös geschlossen werden, forderte Kolat. Auch Hatun Sürücü war von ihrer Familie zunächst zwangsverheiratet worden. Der Ehrenmord folgte, weil sie sich von ihrem Zwangsehemann getrennt und einen neuen Partner gesucht hatte.

Eindrücklicher als die mahnenden Worte und Statistiken waren an diesem zehnten Jahrestag des „Ehrenmordes“ an Hatun Sürücü Berichte von Betroffenen, die wie Hatun Sürücü Gewalt erfahren mussten und fremdbestimmt wurden. „Mein Leben ist vorbei, bevor es angefangen hat“, schrieb eine junge Frau seinerzeit auf. „Dabei möchte ich nur eins: Glücklich und frei sein. Ist das so schwer zu verstehen?“