Terror

Belgien befindet sich im Alarmzustand – 15 Verdächtige festgenommen

Am Tag nach einer der größten Anti-Terror-Operationen in der Geschichte Belgiens befindet sich das Land im Alarmzustand.

Die Behörden riefen die zweithöchste Terrorwarnstufe aus. Inzwischen wurden 13 mutmaßliche Islamisten festgenommen. Zwei weitere Verdächtige wurden in Frankreich gefasst, als sie gerade nach Italien flüchten wollten. Die jüdischen Schulen in Brüssel und Antwerpen blieben geschlossen. Die EU-Kommission im Brüsseler Europaviertel verstärkte die Zahl der Sicherheitsmaßnahmen. Die belgische Regierung war schon am Freitagmorgen zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen gekommen, um über schärfere Sicherheitsmaßnahmen zu beraten.

„Die Einsätze vor Ort sind beendet“, sagte Belgiens Außenminister Didier Reynders. Aber damit ist das Problem nicht gelöst. Das wissen alle. Die Angst geht um in Belgien. Staatsanwalt Eric Van der Sypt hatte keine guten Nachrichten. Ziel der Einsätze sei zwar gewesen, „eine Terrorzelle zu zerschlagen, insbesondere deren logistisches Netzwerk“, sagte er. Aber: „Ich kann nicht sagen, dass wir die gesamte terroristische Zelle neutralisiert haben.“ Mehrere belgische Medien spekulieren, dass die Einsätze weitere Terrorzellen „aktiviert“ haben könnten. Die Einsatzkräfte handelten offenbar in letzter Minute: „Ich kann bestätigen, dass es einen Plan gab, Polizeibeamte auf der Straße oder in Kommissariaten zu töten“, sagte Van der Sypt. Die Telefone der Terrorverdächtigen waren zuvor überwacht worden.

Viele Polizeiwachen waren am Freitag gesperrt worden – aus Angst vor Anschlägen. Polizisten wurden angewiesen, unter keinen Umständen mehr allein auf Streife zu gehen. Die Bewachung an Justizgebäuden und anderen wichtigen öffentlichen Gebäuden wurde verstärkt. Bei insgesamt zwölf Razzien am Donnerstagabend waren vier Kalaschnikows, Sprengstoff, Schusswaffen, Munition, Handys, gefälschte Dokumente, Geld und Polizeiuniformen sicher gestellt worden. Die Identifizierung der Getöteten läuft noch.

Nach Angaben von Außenminister Reynders hatte die belgische Terrorzelle „Verbindungen zu weiteren europaweiten Zellen gehabt“. Ein direkter Zusammenhang mit dem Anschlag auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ und einen jüdischen Supermarkt in Paris soll aber nicht bestehen. Auch Kontakte zu Terrorzellen in Deutschland bestünden nicht. Einer der Attentäter von Paris hatte jedoch Verbindungen nach Belgien. Ein Mann aus der südbelgischen Stadt Charleroi hatte in den vergangenen Monaten mit Amedy Coulibaly – dem erschossenen Pariser Geiselnehmer – über den Kauf eines Autos und von Waffen verhandelt. Das Geschäft kam aber nicht zustande.

Die Debatte, wie man künftig Terroranschläge verhindern kann, ist in Belgien voll entbrannt. Die Regierung will schnell handeln. Erwogen wird, das Militär zu Überwachungen von wichtigen Einrichtungen einzusetzen. Telefonabhöraktionen sollen deutlich ausgeweitet werden. Außerdem sollen die sozialen Netzwerke besser kontrolliert werden.