Demonstration

Zehntausende protestieren gegen Pegida

In vielen deutschen Städten gibt es Kundgebungen gegen Fremdenfeindlichkeit

Dresden bleibt Pegida-Hochburg: Es sind diesmal 25.000, die sich dort am Montagabend der islamfeindlichen Bewegung anschließen. So viele wie bisher noch nie. Einige Demonstranten tragen wegen der Anschläge in Paris schwarzen Trauerflor, was bereits im Vorfeld einen Sturm der Entrüstung auslöste. Andere schimpfen erneut ungehemmt über die „Lügenpresse“.

Zur selben Zeit bieten in Leipzig, der westsächsischen Metropole, zehntausende Gegendemonstranten den erstmals aufmarschierten „Legida“-Anhängern die Stirn. Auch in München, Düsseldorf und Hannover sind tausende Gegendemonstranten auf der Straße. Bundesweit nehmen nach Schätzungen insgesamt etwa 100.000 Menschen an den Kundgebungen teil.

Vor der Leipziger Sportarena haben sich am Abend laut Polizei rund 4800 Anhänger des Pegida-Ablegers Legida versammelt. Ihre „Wir sind das Volk“-Rufe werden von den Gegendemonstranten hinter der Polizeiabsperrung mit einem wütenden „Haut ab!“ beantwortet. Die Gegendemonstranten schwenken Plakate mit Aufschriften wie „Leipzig bleibt bunt“ und „Für eine tolerante Stadt“. Nahe der Legida-Demo wirft ein Beamer Slogans wie „Rassismus fängt im Kopf an“ an eine Hauswand.

Anders als in Dresden hat sich in Leipzig schnell ein breites städtisches Bündnis gegen die Anti-Islam-Bewegung formiert. Hunderte Menschen strömen am Abend in die völlig überfüllte Nikolaikirche zum traditionellen Friedensgebet. Die Kirche war im Wendeherbst 1989 Ausgangspunkt der Montagsdemonstrationen, auf denen sich Tausende mit dem Ruf „Wir sind das Volk“ der Staatsmacht entgegenstellten.

Dieses Erbe und seinen Ruf als weltoffene Stadt will Leipzig an diesem Montag verteidigen. Angesichts der Masse der Gegendemonstranten spricht Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) von einer „wunderschönen Botschaft für die Freiheit“. „Wir lassen uns nicht die Erfahrung von 1989 kaputt machen“, fügt er hinzu.

In Dresden hatten die Pegida-Organisatoren zu einem „Trauermarsch“ für die Opfer der Anschläge in Paris aufgerufen, was viele Menschen in und außerhalb Deutschlands entsetzt hat. Zahlreiche Politiker, darunter Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und Justizminister Heiko Maas (SPD), warfen Pegida vor, die Anschläge auf die Satierezeitschrift „Charlie Hebdo“ für ihre politischen Zwecke zu missbrauchen. Maas sagte im Deutschlandfunk, es sei „Heuchlerei“, „wenn die gleichen Leute, die vor einer Woche über die Lügenpresse schimpfen, jetzt mit Trauerflor zur Verteidigung der Pressefreiheit demonstrieren“. Die Pegida-Bewegung zeigt sich von der Kritik völlig ungerührt.

Auf der Demonstration ist am Montagabend auch ein Plakat zu sehen, das Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Kopftuch zeigt – die spöttische Reaktion auf Äußerungen der Kanzlerin, die wenige Stunden zuvor erklärte: „Der Islam gehört zu Deutschland.“