Terror

Netanjahu besucht Anschlagsort und drängt zum Handeln

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat am Montag vor dem koscheren Supermarkt in Paris der vier Juden gedacht, die dort am Freitag von einem islamistischen Attentäter getötet worden waren.

Netanjahu rief die Welt zur Einigkeit gegen den Terrorismus auf. Unterdessen berichteten israelische Medien, der israelische Regierungschef habe sich aus Wahlkampfgründen selbst zum Trauermarsch am Vortag eingeladen, weshalb die französische Regierung auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hinzugebeten habe. Am jüdischen Supermarkt Hypercacher verharrte Netanjahu unter starken Sicherheitsvorkehrungen schweigend vor den zahlreichen Blumen und Kerzen, die Trauernde am Tatort niedergelegt hatten. Dann entzündete er selbst eine Kerze, während zahlreiche Umstehende die französische Nationalhymne anstimmten.

Zuvor hatte der israelische Regierungschef die Spitzenvertreter der Jüdischen Gemeinde Frankreichs getroffen. „Wenn die Welt sich jetzt nicht gegen den Terrorismus zusammenschließt, werden die Terroranschläge eine Stärke erreichen, die wir uns kaum vorstellen können“, warnte er. Deshalb hoffe er, dass Europa jetzt handeln werde. „Israel unterstützt Europa im Kampf gegen den Terror. Und die Zeit ist gekommen, dass Europa Israel im gleichen Kampf unterstützen sollte“, fügte er hinzu.

Die Terrorakte verunsichern auch die in Berlin lebenden Juden, teilten Repräsentanten der Jüdischen Gemeinde mit. Es würden Ängste geäußert, viele Gemeindemitglieder spielten mit dem Gedanken, die Stadt zu verlassen. Repräsentanten der Jüdischen Gemeinde appellierten deshalb an die Gemeindemitglieder, keine übereilten Entscheidungen zu treffen. „Allein in den letzten Tagen habe ich fast 50 Gespräche mit Gemeindemitgliedern geführt und meine Kollegen ebenso“, betont Micha Guttmann, einer der Verfasser des Appells. „Ich verstehe die Ängste und will die Fakten auch nicht verharmlosen.“ Aber die in den vergangenen Jahren so positive Entwicklung jüdischen Lebens in Berlin dürfe nicht durch Verbrechen fanatischer Terroristen zerstört werden. „Wir appellieren daher an alle Berlinerinnen und Berliner, in dieser dramatischen Situation nicht nur verbal Solidarität zu zeigen, sondern auch aktiv im täglichen Leben. Wenn Juden in Berlin nach den Ereignissen in Paris Angst haben, ist dies bereits ein Angriff auf die demokratischen Werte und Überzeugungen der Gesellschaft. Diesem Angriff muss frühzeitig und überzeugend begegnet werden“, so Micha Guttmann.

In Israel wurden am Montag die Vorbereitungen für die Beerdigung der vier jüdischen Opfer der Anschläge in Paris abgeschlossen. Begleitet von den Angehörigen sollten die vier Leichname Dienstagfrüh mit einem El Al-Flugzeug in Israel eintreffen. Das Begräbnis von Joav Hattab, Philippe Braham, Johan Cohen und François-Michel Saada soll am gleichen Tag auf dem Friedhof Har Hamenuchot (Berg der Ruhenden) stattfinden.