Terroranschlag

Elite der französischen Zeichner ermordet

Um 11.30 Uhr stürmten die vermummten Männer das Gebäude, in dem die Redakteure des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ gerade bei einer Konferenz zusammensaßen.

Bei dem Angriff wurden Mitarbeiter getötet, allen voran der Chefredakteur und Verlagsleiter Stéphane Charbonnier. Der 47-Jährige setzte sich mit respektlosen Kampagnen für die Chancengleichheit von Zuwanderern ein. Charbs Kolumne in „Charlie Hebdo“ hatte den Titel „Charb n’aime pas les gens“ („Charb mag die Menschen nicht“). Er lebte seit 2011 unter dauerhaftem Schutz eines Leibwächters, der bei dem Anschlag auch getötet wurde. Im September 2012 hatte Charb der Zeitung „Le Monde“ gesagt: „Ich habe keine Kinder, keine Frau, kein Auto, keinen Kredit. Es ist vielleicht ein wenig schwülstig, was ich jetzt sage, aber ich ziehe es vor, aufrecht zu sterben als auf Knien zu leben.“

Unter den Toten ist auch der 76-jährige Jean Cabut, ein Altmeister der französischen Comicszene. Die bekannteste Figur des Zeichners mit dem Pseudonym Cabu, war Mon Beauf, ein vulgärer, sexistischer und rassistischer Franzose im Jogginganzug. Eine seiner Karikaturen war überschrieben mit: „Es gibt keinen Gott!“ Darunter stehen der Papst, ein Mullah und ein Mann mit dem typischen Hut jüdischer Orthodoxer, alle drei schwer bewaffnet. Der Mann mit dem Turban droht: „Doch!“

Mitbegründer unter den Opfern

Ebenfalls unter den Opfern ist der 80-jährige Georges Wolinski, der schon seit mehr als 50 Jahren zeichnete. Die bekannteste Schöpfung Wolinskis ist die Comicfigur Paulette, die in immer neue Sexabenteuer und Missgeschicke hineingerät. In vielen Karikaturen Wolinskis spielt der Kampf der Geschlechter eine große Rolle. In einer zeigt eine Frau in durchsichtiger Unterwäsche stolz das Wort „Freiheit“, das als Handschelle ihre Hände zusammenkettet. Der Sohn einer französisch-italienischen Mutter und eines polnischen Juden kam im Alter von 13Jahren nach Frankreich. Der am Mittwoch getötete Zeichner Bernard Verlhac, 57, arbeitete unter dem Künstlernamen Tignous. Auch er setzte auf eine drastische Bildsprache. Der Karikaturist und Comicautor veröffentlichte zahlreiche satirische Werke, unter anderem über Ex-Präsident Nicolas Sarkozy.

Opfer Bernard Maris, 68, Journalist und Ökonomie-Professor, arbeitete unter dem Pseudonym Oncle Bernard. Er schrieb neben „Charlie Hebdo“ für „Le Nouvel Observateur“, „Le Figaro“ und „Le Monde“. Als das Satiremagazin 1992 nach einer längeren Auszeit wieder an den Kiosk kam, gehörte er zu den Mitgründern. Unter den Opfern sind auch der Journalist Michel Renaud, der am Mittwoch zu der Redaktionskonferenz eingeladen war, sowie der 73-jährige Karikaturist und Gastzeichner Philippe Honoré.

Trotz des Anschlags soll „Charlie Hebdo“ in der kommenden Woche erscheinen. „Wir werden weitermachen“, sagte Kolumnist Patrick Pelloux. Die Mitarbeiter der Zeitung würden von zu Hause aus arbeiten, da die Redaktionsräume wegen der laufenden Ermittlungen nicht genutzt werden könnten. Die Zeitung werde sich nicht unterkriegen lassen. „Das ist sehr hart, wir alle sind voller Leid, Schmerz, Angst“, sagte er. „Aber wir machen es trotzdem, denn die Dummheit wird nicht gewinnen. Charb hat immer gesagt, dass die Zeitung erscheinen müsse, koste es, was es wolle“, sagte Pelloux.

Geplant ist eine Veröffentlichung am Mittwoch, dem üblichen Erscheinungstag des Blattes. Der Verlag kündigte eine Auflage von einer Million Exemplaren an. „Charlie Hebdo“ erscheint sonst mit rund 60.000 Exemplaren. Große französische Medienhäuser haben der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ nach dem brutalen Mordanschlag von Paris ihre Hilfe zugesagt. Der staatliche Hörfunk und das Fernsehen sowie die Tageszeitung „Le Monde“ erklärten, sie wollten dem Magazin Personal und Sachmittel zur Verfügung stellen.