Stadt der Engel

Anne Baahino versorgt ein obdachloses Paar in Moabit

„Die beiden sind mir vor fünf Jahren aufgefallen, weil sie im strömenden Regen auf einem Mäuerchen in Moabit saßen und vor Kälte zitterten.

Ich habe ihnen Regenjacken gebracht und später etwas zu essen. Ich bin Christin, für mich ist das selbstverständlich. Ich würde mir wünschen, dass die Menschen nicht nur vor Weihnachten über Leute wie dieses obdachlose Paar nachdenken, sondern auch mal hinter die Fassade schauen. Die beiden haben viel Schlimmes erlebt. Leider geht es mir selbst gesundheitlich nicht besonders gut. Aber ich habe viele Freunde, Nachbarn und Bekannte, die mithelfen, meine obdachlosen Freunde zu versorgen.“

Jana Hampel und Sterling Hayden, Krankenhaus-Clowns

„Eigentlich heißen wir Clown Silver und Fräulein Schleife. Wir besuchen für den Verein Rote Nasen e.V. seit acht Jahren regelmäßig das Kinderhospiz Sonnenhof der Björn-Schulz-Stiftung in Pankow. Anfangs schien es für alle schwierig: Spaß und Lachen vor unheilbar kranken Kindern, ist das möglich? Es geht ja oft um den Tod, das Sterben. Leid und Angst gehören zum Alltag. Gerade Erwachsene brauchen manchmal Mut, um in solchen Situationen Freude zuzulassen. Kinder sind da unkomplizierter. Lachen und Freude verändern die Atmosphäre. Es wird für einen Moment alles etwas leichter.“

Karin Dittmar, 69, Rentnerin

„Ich habe viele Jahrzehnte als Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte gearbeitet. Als ich vor zweieinhalb Jahren in Rente ging, habe ich im Ehrenamt eine Chance gesehen. Allein zu Hause herumsitzen wollte ich nicht. Jetzt kümmere ich mich in zwei Justizvollzugsanstalten als ehrenamtliche Vollzugshelferin für den Verein Freie Hilfe Berlin um Inhaftierte. Ich höre den Menschen zu. Sie können mir ihre Gedanken anvertrauen, denn ich bin keine offizielle Person. Manchmal geht es auch einfach nur darum, Wut abzulassen. Außerdem kümmere ich mich um ältere Menschen. Das Ehrenamt ist für mich eine Win-win-Situation. Ich komme unter Leute und es ist schön, wenn man für jemanden etwas tun kann.“

Izzet Mafratoglu, 51, Gründer Isigym Boxsport

„Ich bin mit zwei Jahren mit meinen Eltern nach Berlin gekommen. Mit sieben habe ich angefangen zu boxen. Ich bin dann lange Jahre Amateurboxer gewesen. Ich bin durch den Boxsport im Leben sehr weit gekommen. Ich wollte meinem Bezirk Schöneberg etwas davon zurückgeben. So habe ich den Verein Isigym Boxsport Berlin gegründet. Ich bin der Cheftrainer. Meine Idee war anfangs, Jugendliche von der Straße zu holen. Heute trainieren wir 300 bis 500 Sportler, die meisten kommen aus der Umgebung. Wichtig ist bei uns Disziplin, ohne die geht es nicht. Wir sind sportlich sehr erfolgreich. In den letzten acht Jahren haben wir 15 Goldmedaillen nach Berlin gebracht – das ist keinem anderen Verein gelungen.“