Engagement

Stadt der Engel

Ohne sie wäre Berlin nicht Berlin: Menschen, die anderen helfen. Als Ehrenamtliche, Nachbarn, Mitmenschen. Wir haben einige von ihnen besucht

Sie bringen Obdachlosen Essen oder todkranken Kindern ein Lächeln. Sie helfen einsamen, alten Menschen oder setzen sich dafür ein, dass das Zusammenleben im Kiez besser klappt. Rund 850.000 Berliner engagieren sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich, in Vereinen, Stiftungen, Initiativen. Dazu kommen Ungezählte, die privat helfen, sich spontan einsetzen, einfach da sind, weil jemand sie braucht. Ohne freiwillige Helfer wäre Berlin um einige soziale Grad kälter. Und in manchen Bereichen würde schlicht gar nichts mehr gehen. Sie sind, wenn man so will, die Frohe Botschaft von Berlin für Berlin. Nicht nur an Weihnachten, sondern das ganze Jahr über.

Warum sich für andere engagieren? Reto Klar, Cheffotograf der Berliner Morgenpost, und Reporterin Uta Keseling haben einige der Berliner „Engel“ besucht und sie danach gefragt. Die häufigste Antwort: Weil man schnell merkt, dass man auch selbst etwas davon hat. Wie das genau funktioniert, lesen Sie auf den folgenden sechs Seiten.

Christel Heibutzki, 96, älteste freiwillige Helferin im Pflegewohnheim Alt-Treptow

„Mein Mann hat in diesem Pflegewohnheim gelebt. Fünf Jahre lang habe ich ihn hier besucht. Ich bin klein, aber ich habe es trotzdem geschafft, ihn zwei Stunden lang im Rollstuhl spazieren zu fahren. Immer am Wasser entlang. Das war schön. Als er im vergangenen Jahr starb, hatte ich niemanden mehr in Berlin. Dann wurde ich gefragt, ob ich nicht kommen möchte, um mich ehrenamtlich um die Bewohner des Pflegeheims zu kümmern. Da habe ich sofort Ja gesagt. Ich bin zwar eine der Ältesten, aber noch fit! Ich leiste Gesellschaft, helfe beim Kaffeetrinken, höre zu. Früher war ich immer ein bisschen schüchtern. Jetzt muss ich alles alleine schaffen. Und es gelingt mir! Ich bin viel lebhafter geworden. Und wenn doch mal die Tränen kommen, bedanke ich mich einfach laut. Für alles, was wieder gut geklappt hat. Dann geht es mir besser.“

Manja Thieme, 35, Teambetreuerin des Flüchtlingsteams vom SV Babelsberg 03

„Ich merke, dass es den Spielern viel bedeutet, Teil dieser Mannschaft zu sein. Hier werden sie nicht als anonyme Flüchtlinge wahrgenommen, sondern als Spieler. Und als Menschen mit einem Namen und einer Geschichte. Ich bin die Teambetreuerin des Flüchtlingsteams Welcome United 03 vom SV Babelsberg 03. Das Team gibt es seit Juni 2014. Das Besondere ist, dass es nur aus Flüchtlingen besteht. Bis jetzt hatten wir nur Freundschaftsspiele, ab der nächsten Saison aber wollen wir auch offiziell in der Liga spielen. Als erste Flüchtlingsmannschaft in Deutschland. Die Idee mit der Mannschaft hatte ich, als ich hörte, dass viele Flüchtlinge in Potsdam gern Fußball spielen wollten, aber nicht wussten, wo. Als Fan von Babelsberg 03 habe ich dann einfach den Verein gefragt.“ Damit das Training auch im Winter weitergehen kann, unterstützt Berliner helfen, der Verein der Berliner Morgenpost, die Flüchtlingsmannschaft mit einer Spende beim Kauf von warmer Trainingskleidung.