Contra

Du sprechen Deutsch?

Diana Zinkler hält den Vorstoß der CSU für falsch

Gut, dass Berlin so weit weg ist von München. Denn hier in Berlin gibt es tatsächlich Familien, die mehrere Sprachen zu Hause sprechen. Zum Beispiel die Rattles, er Brite und Dirigent der Berliner Philharmoniker. Seine Frau ist Magdalena Kožená, Mezzosopranistin und Tschechin. Was sprechen die beiden wohl zu Hause mit ihren Kindern? Richtig: Drei Sprachen. Deutsch, Englisch und Tschechisch.

Oder die Barenboims. Der Generalmusikdirektor der Deutschen Staatsoper erlaubt es sich doch tatsächlich sechseinhalb Sprachen zu beherrschen und keine davon akzentfrei. Er ist einfach zu oft umgezogen. Seine Frau Elena Bashkirova ist Pianistin und aus Russland gekommen. Niemand würde sich trauen, diesen beiden Vorzeigekünstlern und ihren nicht minder erfolgreichen Frauen zu verbieten, ihre Internationalität und den kulturellen Hintergrund auch ihren Kindern mitzugeben. Auch sie sind Zugewanderte und leben hier dauerhaft.

Also müsste die CSU auch sie „dazu anhalten“, im Privaten und sonst auch überall Deutsch zu sprechen. Doch das macht ja keiner. Manche Privatheit ist halt mehr wert. Nebenbei, die Kinder dieser beiden Familien sprechen sehr gut Deutsch.

Die türkischstämmige Journalistin Özlem Gezer schreibt in einem Artikel, dass es gerade diese Art Vorschläge von Deutschen sind, die sie „türkisiert“ hätten. Also, erst recht zur Türkin gemacht hätten, weil sie in Deutschland immer wieder auf ihren türkischen Hintergrund hingewiesen worden sei. Von „So spät lassen dich deine Eltern noch raus?“ bis „Natürlich isst du kein Schweinefleisch“ über „Wir verstehen, zu Hause darfst du nicht so viel sprechen“.

Abgesehen von dem „Tarzan- Deutsch“, dass ihre Familie zu spüren bekommen hat. Tarzan-Deutsch ist das, was Deutsche mit Ausländern sprechen, wenn sie glauben, ihr Gegenüber würde sie nicht verstehen: „Du sprechen Deutsch?“

Natürlich ist es richtig, wenn man hier lebt, auch Deutsch zu beherrschen. Doch, was die CSU in ihrem Leitantrag anstimmt, ist ein Angriff auf das private Leben und zugleich eine ziemliche Respektlosigkeit. Kein Wunder, wenn man so einen Vorstoß im Ausland wieder als „typisch deutsch“ bezeichnet.