Irans Atomprogramm

Militärschlag bleibt eine Option für Israel

Israel droht für den Fall eines „schlechten Abkommens“ zum Atomprogramm des Iran weiter mit einem Militärschlag.

Experten halten dies aber eher für ein taktisches Manöver, um die laufenden Verhandlungen der Großmächte mit der iranischen Regierung zu beeinflussen. Dass die israelischen Luftstreitkräfte wirklich, wie offenbar schon 2007 in Syrien, iranische Atomanlagen bombardieren werden, ist nach ihrer Einschätzung wenig wahrscheinlich.

Kurz vor dem Erreichen der vereinbarten Einigungsfrist für die Atomgespräche in Wien erhöhte die israelische Regierung noch einmal den Druck auf die Verhandlungsparteien. Geheimdienstminister Juval Steinitz, im Kabinett auch für das Iran-Dossier zuständig, warnte davor, der Islamischen Republik Iran die Möglichkeit zu lassen, ein Nuklearanwärter zu bleiben, der binnen weniger Monate in den Besitz von Nuklearwaffen gelangen kann, falls er eines Tages einen Strategiewechsel beschließt. „Wir behalten uns alle Optionen vor und verteidigen unser Recht, alles zu unternehmen, was wir für gut halten, um Israel zu verteidigen“, sagte Steinitz Vertretern der Auslandspresse in Jerusalem. Israel, selbst die einzige, wenn auch nie offiziell bestätigte Atommacht im Nahen Osten, sieht sich als erstes mögliches Angriffsziel für iranische Atombomben. Regierungschef Benjamin Netanjahu bekräftigte im Gespräch mit dem US-Sender ABC, es wäre ein „historischer Fehler“, Teheran den Betrieb „Tausender Zentrifugen“ zu erlauben.

Um den Drohgebärden Glaubwürdigkeit zu verleihen, wurden den Medien Dokumente zugespielt, die belegen sollen, dass ein Militärschlag aktiv vorbereitet wird. Demnach wiesen Netanjahu und Verteidigungsminister Mosche Jaalon die Streitkräfte an, dafür umgerechnet zwei Milliarden Euro im Budget vorzuhalten.

Ephraim Kam, vom Institut für Nationale Sicherheitsstudien (INSS) in Tel Aviv ist dennoch überzeugt, dass es bei Muskelspielen bleibt: „Die Amerikaner haben die militärische Option schon vor einem Jahr verworfen. Israel kann es sich nicht erlauben, alleine in die Offensive zu gehen, solange die Großmächte weiter mit den Iranern verhandeln.“

Israel wurde neben den USA immer wieder als wahrscheinlicher Drahtzieher von Sabotageakten genannt, die die Entwicklung der Kerntechnologie im Iran beeinträchtigten. Auch hinter Anschlägen auf iranische Atomwissenschaftler wurden israelische Geheimdienste vermutet. Stichhaltig bewiesen wurde dies allerdings nie.