Extremismus

„Wie vor einem Jahr in Hellersdorf“

Protest gegen Flüchtlingscontainer in Marzahn stärker als erwartet

Die neue Containersiedlung für 400 Flüchtlinge in Marzahn wird voraussichtlich Ende März 2015 fertig sein. Erwartet werde, dass die Asylbewerber Anfang April einziehen, sagte der Bürgermeister von Marzahn-Hellersdorf, Stefan Komoß (SPD), am Dienstag. Das Bezirksamt bereite jetzt vor, dass die Kinder in Kitas untergebracht werden können oder Schulunterricht bekommen. Es sei die erste Flüchtlingsunterkunft in Marzahn, sagte Komoß. Am Montagabend hatten etwa 580 Menschen gegen das Vorhaben protestiert. „Das waren mehr, als wir erwartet hatten“, so der SPD-Politiker.

Unter den Teilnehmern seien etwa 40 polizeibekannte Rechtsextreme gewesen. „Ich bedauere, dass sich verängstigte und aufgewühlte Bürger vor den Karren von organisierten Rechtsextremen spannen lassen.“ Es habe im Vorfeld eine Reihe von Informationsangeboten gegeben. Anwohner im unmittelbaren Umfeld seien angeschrieben worden, sagte Komoß. „Wir hoffen, dass sich die Situation nach der Eröffnung wieder beruhigt, so wie es in Hellersdorf vor einem Jahr war.“ Dort wurde mitten im Wohngebiet eine Schule als Asylbewerberheim eingerichtet. Es kam zu massiven Protesten dagegen. „Die Nachbarn, die am Anfang ähnliche Sorgen hatten wie jetzt die Marzahner, haben gesehen, dass es Menschen auf der Flucht sind, die Hilfe suchen.“ Seit der Eröffnung des Heims gebe es keine Probleme mehr, so Bezirksbürgermeister Komoß.

Bauherr für das Containerdorf ist das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso). Dem Amt war das Grundstück vom Liegenschaftsfonds übertragen worden. Weitere Containerdörfer sind in Pankow, Treptow-Köpenick, Lichtenberg und Steglitz-Zehlendorf vorgesehen. Für Bau und Aufstellung zahlt das Land rund 43 Millionen Euro. Etwa 2400 Menschen sollen nach Plänen des Senats in den Containern untergebracht werden, davon 200 Obdachlose. Die Unterkunft in Köpenick werde schon vor Weihnachten eröffnen, teilte das Lageso mit. Grundsätzlich werde bei Eröffnung einer Gemeinschaftsunterkunft eine Anwohnerversammlung durchgeführt. Grund für die neuen Quartiere sind die steigenden Flüchtlingszahlen in Berlin. Im Oktober kamen etwa 1530 Asylbewerber an, mehr als in jedem Monat zuvor.