TV-Kritik

Wowereit kritisiert bei Günther Jauch Alt-Kanzler Kohl

Bei RTL wird sich durch den Abend des 9. Novembers gewitzelt, da gibt es Schenkelklopfer wie Angela Merkels Klamotten im Wendejahr 1990 oder Fotos von der Miss DDR.

Auf der ARD geht es dagegen wohltuend seriös zu. Günther Jauch rekonstruiert mit seinen Gästen den 9. November 1989. Da sitzt Klaus Wowereit, bis Dezember noch Regierender Bürgermeister von Berlin, und erzählt, dass seine Familie vor 25 Jahren Besuch aus dem Osten hatte. Während Wowereit mit der Verwandtschaft beim Chinesen speiste, trieb sich Georg Mascolo in Prenzlauer Berg rum. Der Journalist, der später Chefredakteur des Spiegels wurde, trank Bier mit seinem Filmteam von Spiegel-TV – und folgte dann den Menschen zur Bornholmer Straße. Dort stand Harald Jäger, Stasi-Offizier und diesen Abend diensthabender Kommandeur. Ohne Anweisung, er fühlte sich allein gelassen. Später gab er dann den Befehl: „Macht den Schlagbaum auf.“

Es ist eine gute Idee, auch wenn die Umsetzung machmal nur mühsam gelingt, den Mauerfall so in einer Talkshow zu behandeln. Natürlich hätte man auch Politiker einladen können, die über den Stand der deutschen Einheit debattieren. Einen von der Linkspartei, einen von der AfD, einen von der CSU, damit es auch ordentlich kracht. Doch dafür ist der 25. Jahrestag des Mauerfalls einfach zu schön, und das hat Jauch erkannt.

Und nach der Rekonstruktion ist ja auch noch Zeit für Debatte. Jauch fragt Wowereit nach Helmut Kohl. Wie dessen ehemaliger Ghostwriter Heribert Schwan veröffentlichte, hält der Kanzler der Einheit wenig von der These der Friedlichen Revolution. Kohl glaubt vielmehr: Der Kalte Krieg endete, weil die Sowjetunion pleite war. Das sieht Klaus Wowereit anders, entschieden anders. „Das ist Quatsch“, sagt der SPD-Politiker. Kohl schiebe mit dieser Behauptung die Lebensleistung vieler Menschen aus der DDR einfach beiseite. Das Ende der Teilung und die deutsche Einheit hätte es ohne die mutigen Ostdeutschen so nicht gegeben.