25 Jahre Mauerfall

„Einzigartige Chance genutzt“

Im Bode-Museum feiert „VisitBerlin“ den Mauerfall vor 25 Jahren mit vielen Zeitzeugen und einem besonderen Menü

Burkhard Kieker war sichtlich bewegt: „Dieses Jubiläum ist für mich ein spezieller, ein ganz besonderer Moment.“ Der heutige „VisitBerlin“-Geschäftsführer arbeitete vor 25 Jahren als Journalist in West-Berlin. Die Menschen in der DDR hätten damals ihre Angst vor dem SED-Regime verloren und für ihre Freiheit gekämpft. „Diesen Menschen verdanken wir die Wiedervereinigung“, so der Tourismus-Chef. Am Sonnabend empfing Kieker 120 Journalisten aus Europa, den USA, Israel, Russland sowie den Vereinigten Arabischen Emiraten und Manager der internationalen Reise- und Kongressbranche im Bode-Museum. Sie feierten auf Einladung von „VisitBerlin“ mit einem festlichen Dinner das 25-jährige Jubiläum des Mauerfalls.

Vor dem rot angestrahlten Haus am Kupfergraben in Mitte, das die Skulpturensammlung und das Museum für Byzantinische Kunst sowie das Münzkabinett beherbergt, begrüßten Kieker, Hermann Parzinger, Präsident die Berliner Stiftung Preußischer Kulturbesitz, und Barbara Rüschoff-Thale, Kulturdezernentin beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe, die Gäste. Darunter Frank Henkel (CDU), Senator für Inneres und Sport, Michael Müller (SPD), Senator für Stadtentwicklung und Umwelt, Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) sowie der Chef der Senatskanzlei Björn Böhning (SPD), Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus und der britische Sänger Peter Gabriel. Ähnlich bewegt wie Kieker war auch Peter Brinkmann. Der Journalist, der 1989 als DDR-Korrespondent für die „Bild“-Zeitung arbeitete, hatte am 9. November bei der Pressekonferenz mit Ost-Berlins SED-Chef Günter Schabowski die entscheidende Frage zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des neuen Reisegesetzes gestellt. Die mögliche Bedeutung dieses Tages sei ihm bereits am Morgen jenes Tages bewusst gewesen. „Ich bin damals ganz früh von Hamburg nach Berlin gefahren und habe im Presseamt an der Mohrenstraße nach deutscher Art mein Handtuch, in Form einer Jacke, auf einem Platz in der ersten Reihe ausgeworfen“, erinnerte sich Brinkmann.

Grund für seine Vorahnung sei die Ankündigung gewesen, bei der Pressekonferenz werde auch eine Änderung des Reisegesetzes thematisiert. „Viele deutsche Journalisten haben das damals im Vorfeld einfach verpennt“, so der 69-Jährige. Die Auswirkungen des Wortes „sofort“ in der Antwort Schabowskis sei ihm damals hingegen unverzüglich bewusst geworden: „Ich bin danach sofort vor die Tür gerannt und habe meinen Chef informiert.“ Wenn er heute durch die Stadt fahre, freue er sich, dass Berlin eins geworden ist: „Als ich hierher gefahren bin, hat es mich sehr berührt zu sehen, wie viele Menschen das Jubiläum in Berlin zusammen feiern.“ Neben Peter Brinkmann kamen noch weitere Zeitzeugen ins Bode-Museum, um den Mauerfall in besonderer Atmosphäre zu feiern. Unter ihnen die ehemaligen DDR-Oppositionspolitiker Frank Ebert, Tom Sello, Olaf Weißbach und Christoph Ochs von der Robert-Havemann-Gesellschaft sowie der Bürgerrechtler und letzte DDR-Außenminister Markus Meckel. Sie erzählten den internationalen Gästen vom Tag, an dem die Mauer fiel.

Berührende Geschichte

„An diesem besonderen, sehr emotionalen Tag blicken wir mit Freunden und Partnern darauf zurück, wie die Berlinerinnen und Berliner diese einmalige historische Chance genutzt haben. Besonders stolz sind wir, dass heute Abend auch einige der stillen Helden der DDR-Revolution dabei sind, denen wir alle so viel zu verdanken haben“, so Kieker. Darüber, wie die Perspektive auf die Erde und ihre Geschicke sich verändern kann, wenn man sie einmal von einem ganz anderen Blickwinkel betrachtet, berichtete Ron Garan. Der US-Amerikaner reiste 13 Jahre lang für die Nasa ins Weltall und war 2011 fünf Monate lang auf der Internationalen Raumstation ISS stationiert.

Neben emotionalen Reden und Gesprächen und ein bisschen Wehmut stand im Bode-Museum jedoch vor allem die Freude über die Ereignisse vor einem Vierteljahrhundert im Vordergrund. „Es bewegt mich, dass die Geschichte Deutschlands in diesen Tagen so viele Menschen auf der ganzen Welt berührt“, sagte der designierte Regierende Bürgermeister Berlins Michael Müller. Er selbst habe vor 25 Jahren niemals gewagt zu glauben, dass die Mauer noch fallen würde, wenn er ein junger Mann ist: „Am 9. November saß ich dann vor dem Fernseher und konnte gar nicht glauben, was ich da sah.“

Hermann Parzinger unterstrich die Bedeutung der Wiedervereinigung für die Museumsinsel. „Die Einzigartigkeit der Sammlung, die hier an einem Ort vereint wird und die Tatsache, dass die Museumsinsel heute zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, verdanken wir der Wiedervereinigung“, so Parzinger. Dieses Erbe zu erhalten sei ein andauernder Prozess, die Arbeit zahle sich aus: „Wenn man Touristen nach fünf Gründen fragt, weshalb sie nach Berlin gekommen sind, ist ein Besuch der Museen immer dabei.“

Dem Anlass entsprechend stand auch das Essen des Abends ganz im Zeichen der Wiedervereinigung. Verantwortlich für das Ost-West-Dinner mit „Großmutters Griff in den Datscha-Garten“, „Altmodischem Luxus in den 80er-Jahren“, „Berlin heute“ und „Meine erste Banane“ auf der Menükarte waren die Zwei-Sterne-Köche Tim Raue und Daniel Achilles. „Der Abend war ein wirklich besonderer für mich. Einerseits durfte ich gemeinsam mit Daniel Achilles ein Ost-West-Menü in dieser gewaltigen Kulisse des Bode-Museums kochen – und damit das Gesicht Berlins bei VisitBerlin zeigen. Andererseits durfte ich mir am selben Abend den Preis als ‚Gastronomischer Innovator’ bei den Berliner Meisterköchen und Berlin Partner abholen“, so Tim Raue.. „Daran werde ich mich immer erinnern. Das war wie Ostern und Weihnachten zusammen.“ Vielen Gästen dürfte es vor 25 Jahren genau so ergangen sein.