25 Jahre Mauerfall

Wowereit: „Die DDR war ein Unrechtsstaat“

Die Berliner Morgenpost dokumentiert Auszüge aus der Rede des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit, beim Festakt zum 25. Jahrestag des Mauerfalls am Sonntagabend im Konzerthaus Berlin.

„Heute vor 25 Jahren fiel die Mauer! Das haben mutige Bürgerinnen und Bürger in Ost-Berlin und in der ganzen DDR erreicht. Sie haben den Weg zum Fall der Mauer bereitet. Und sie haben entscheidenden Anteil daran, dass Deutschland die historische Chance bekam, Diktatur und Unterdrückung zu überwinden und sich in Freiheit und Solidarität wieder zu vereinigen.

Heute können wir sagen: Der 9. November 1989 steht dafür, dass Mauern überwindbar sind – mit Mut und Entschlossenheit, und – ja: mit friedlichen Mitteln! Berlin steht seither dafür, dass das Unmögliche möglich wurde. Dies ist die prägende Erfahrung unserer Zeit. Und wir alle stehen in der Verpflichtung, die Chancen, die sich daraus ergeben, zu nutzen. In einem freien, offenen Europa, von dem die Menschen vor 1989 nur träumen konnten. (...) Und selbstverständlich war die DDR ein Unrechtsstaat.

Ja, der Anfang nach dem Ende der Teilung war für viele Menschen schwer. Fast nichts blieb, wie es war. Viele wurden arbeitslos. Manche fühlten sich als Verlierer der Einheit. Viele wurden auch erst einmal schamlos betrogen von Geschäftemachern, die nur eines im Sinn hatten: Profit zu schlagen in Zeiten von Umbruch und Unübersichtlichkeit. Wir wollen all die Menschen und ihre Lebensleistung nicht vergessen, die schwere Rückschläge hinnehmen und das Gefühl haben mussten, nicht mehr gebraucht oder nicht wirklich willkommen zu sein in dieser neuen Zeit. Das Zusammenwachsen war auch politisch alles andere als einfach. Die Zusammenlegung der Verwaltungen in Ost und West, die Wiederherstellung von Straßen und Bahnverbindungen über die frühere Grenze hinweg, der Umbruch in Wissenschaft und Hochschulen, das Ringen um Arbeitsplätze mit Zukunft: alles gleichzeitig und auch damals hatte der Tag nur 24 Stunden.

Die von den Frauen und Männern der Bürgerrechtsbewegung erkämpfte Freiheit ist das Fundament der gelebten Freiheit, für die Berlin heute steht. Für die Kraft der Kreativen und die Offenheit für Neues, für gelebte Vielfalt. Wir wollen eine Hauptstadt sein, in der alle gleiche Rechte haben – unabhängig von Hautfarbe, Sprache, Herkunft, Religion und Lebensweise. Auch weil wir wissen: Als Hauptstadt können wir unserem ganzen Land etwas geben und unser Bild in der Welt prägen. Gelebte Vielfalt gibt es nicht ohne soziale Verantwortung und Solidarität mit den Schwächeren.

Berlin steht heute für Weltoffenheit, Toleranz und Kreativität. Wir sind bereit, diese Offenheit täglich neu zu gestalten und zu verteidigen, wo immer das nötig ist. Weil wir wissen: Die 1989 erkämpfte Freiheit hat den Weg gebahnt zu einer Metropole, in der Freiheit gelebt wird. In der Vielfalt im positiven Sinn erlebbar ist und die auf Deutschland und Europa ausstrahlt. Und die Mut macht, sich mit keiner Mauer dieser Welt abzufinden.“