25 Jahre Mauerfall

Berliner Mauer verschwindet zum zweiten Mal

Eine Grenze löst sich in Luft auf. Ab 19.24 Uhr sind am Sonntag die rund 7000 Ballons in die Luft gestiegen, die vom 7. bis 9. November den Verlauf der Mauer auf einer Länge von 15 Kilometern von der Bornholmer Straße bis zur Oberbaumbrücke markiert hatten. Drei Tage lang waren die Ballons die Attraktion und eines der beliebtesten Fotomotive Tausender Berliner und Berlin-Touristen. Veranstalter der „Lichtgrenze“ war die gemeinnützige Landesgesellschaft Kulturprojekte Berlin. Umgesetzt wurde das Projekt mit Hunderten Helfern, die aufgebaut, bewacht und repariert hatten.

Bei der Planung und Konstruktion der Lichtinstallation gab es einige technische Herausforderungen zu bewältigen: Die Ballons mussten einerseits so robust sein, dass sie drei Tage lang jeder Witterung ausgesetzt sein konnten und auf der anderen Seite wiederum so filigran, dass sie leicht und schnell aufsteigen konnten. Um die Umwelt nicht mit tausenden davonschwebenden Ballons zu belasten, sollten sie ökologisch abbaubar sein.

Lichtkünstler und Designer Christopher Bauder hatte eineinhalb Jahre in seinem Studio in Prenzlauer Berg getüftelt, Prototypen erstellt und wieder verworfen, neue Ideen ausprobiert, bis alles zusammenpasste. Immer wieder kam es zu Problemen. Oft ging es um Kleinigkeiten, wie zum Beispiel den Verschluss für den Ballon. An den ersten beiden Tagen der Lichtgrenze waren die Ballons mit Stickstoff gefüllt. Zum Leuchten wurden sie über ein LED-Licht gebracht, das in der Stele eingebaut war. Damit die Ballons aufsteigen konnten, mussten sie am Sonntag mit Helium aufgeblasen werden. Passanten dürfen die Alten als Souvenir mitnehmen. Aufwendig auch die Konstruktion der Stangen, auf denen die Ballons montiert waren. Sie entstanden in einer Behindertenwerkstatt des Deutschen Roten Kreuzes in Potsdam. Eine Ballonstele bestand aus drei Komponenten: dem Fuß, der Carbonstange und dem Ballontrichter. Diese wiederum wurden aus 40 Einzelteilen zusammengesetzt. 180 Beschäftigte waren in der Werkstatt damit beschäftigt.

Der Fuß bestand aus einem Kunststoffbehälter, der mit Wasser gefüllt wurde, damit die Stange nicht umkippen konnte. Außerdem war das Batteriepaket am Fuß verankert. Den Mittelteil bildete eine Carbonstange, die mit Technik befüllt, den Ballon auf eine Höhe von 2,40 Meter gehoben hat – genauso hoch wie die Mauer war. Auf die Carbonstange wurde der Ballontrichter montiert. Aufgeblasen hatte der Ballon einen Durchmesser von 60 Zentimetern. Er bestand aus Naturkautschuk. Eine Stele wog insgesamt etwa 23 Kilogramm.

Am Bethaniendamm in Kreuzberg gingen zahlreiche Ballons verloren oder verschwanden, sagte Gabriele Miketta, Sprecherin der Kulturprojekte Berlin. An der Bornholmer Brücke seien zudem rund 30 Stelen gestohlen worden. In Mitte und Friedrichshain zerstörten Randalierer mehrere Ballons. Die Polizei nahm die neun mutmaßlichen Täter kurzzeitig fest. Die Beamten vermuteten politische Motive hinter der Tat. Laut „Spiegel Online“ übernahm der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt Berlin die Ermittlungen. Alle Verluste seien jedoch ersetzt worden, hieß es.

Jeder Ballon hatte einen Paten. Sie konnten einen Wunsch notieren, den sie mit auf die Reise schickten. Beim Flug leuchteten die Ballons dann nicht mehr. Das war auch so gewollt. Sie sollten zum Jubiläumsende langsam in der Dunkelheit verschwinden und Geschichte sein – genau wie die Berliner Mauer.