Bahn

Mehrheit der Deutschen lehnt Streik ab

Umfrage: Rückhalt für die Gewerkschaft in der Bevölkerung schwindet rapide

Die Lokführergewerkschaft GDL hat den Bogen offensichtlich überspannt und verliert deutlich an Rückhalt in der Bevölkerung. 51 Prozent der Deutschen haben inzwischen kein Verständnis mehr für die Streiks. Das ergab der aktuelle Deutschlandtrend von Infratest Dimap für die ARD-„Tagesthemen“ und die „Welt“. Und die Ablehnung dürfte in diesen Tagen sogar noch heftiger ausfallen, denn ein Teil der Umfrage wurde Anfang der Woche geführt, als das gesamte Ausmaß des Streiks noch nicht feststand. Innerhalb eines Monats haben sich damit die Vorzeichen gedreht. Im Oktober hatte noch eine Mehrheit von 54 Prozent Verständnis für die Streiks der GDL. Aktuell können sich nur noch die Wähler der Grünen und der Linken (jeweils 67 Prozent) mit dem Lokführerstreik anfreunden.

Die aktuellen Aktionen bei der Bahn und der Lufthansa hängen auch eng mit der Frage zusammen, welchen Stellenwert die kleinen Gewerkschaften erhalten sollen. Hier sind 49 Prozent der Deutschen der Meinung, nicht nur die großen, sondern auch die kleinen Arbeitnehmerorganisationen sollten verhandeln (und dann auch notfalls streiken) dürfen, 45 Prozent wollen nur der größten Gewerkschaft eines Betriebes dieses Recht einräumen. Auch dieser Wert ist im Vergleich zum Oktober gestiegen, und zwar um sieben Prozentpunkte.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) warnte vor einer zunehmenden Radikalisierung durch die Streiks der Lokführergewerkschaft GDL. „Ich bin entsetzt, dass es in den sozialen Medien zwischenzeitlich Gruppen gibt, die sich beispielsweise ‚Hooligans gegen Lokführer‘ nennen und die zu Gewalt gegen unsere Kollegen aufrufen“, sagte EVG-Chef Alexander Kirchner am Donnerstag in Frankfurt. Schon der Gedanke an tätliche Angriffe gegen Eisenbahner – gleich welcher Gewerkschaft – sei völlig inakzeptabel. Zugleich kritisierte Kirchner die aus seiner Sicht „inakzeptable Politik der Spaltung“: „Auch ich habe kein Verständnis dafür, dass die Führung der GDL nur deshalb so massiv zum Arbeitskampf aufruft, weil sie ihren Machtbereich ausdehnen will.“

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) befürchtet einen Imageschaden für andere Gewerkschaften. „Ich bedauere es sehr, dass Herr Weselsky das Angebot auf eine Schlichtung nicht angenommen hat“, sagte der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann. Widerspruch kam auch vom Deutschen Beamtenbund, dem die GDL angehört. Der Vorsitzende Klaus Dauderstädt sagte zum abgelehnten Angebot einer Schlichtung: „Die GDL hat diese zwar abgelehnt, das war nicht abgestimmt mit uns. Ich hätte der GDL empfohlen, sich auf ein Schlichtungsverfahren einzulassen, wenn klargestellt ist, dass es nicht um die Grundsatzfrage geht, ob die GDL verhandeln darf, sondern nur um die Frage geht, wie solche Verhandlungen stattfinden sollen. Dann hätte so ein Schlichtungsverfahren auch Sinn.“

Betroffene Reisende haben ihrem Ärger auch am Donnerstag im Internet wieder Luft gemacht. Damit verbundene Schlagworte wie #Bahnstreik zählten zu den Topthemen im deutschen Bereich von Twitter. Innerhalb von 24 Stunden kamen zu dem Stichwort fast 3000 Tweets zumeist verärgerter Nutzer zusammen. Neben Beschwerden über Verzögerungen riefen unter dem Hashtag #gdlstreik einige Nutzer zur Aussperrung der Lokführer auf.