Geschichte

Wie die Linke salonfähig wurde

In den vergangenen 25 Jahren öffnete sich die SPD für die SED-Nachfolgepartei

Seit Anfang der 90er-Jahre ist das Verhältnis der SPD zur Linkspartei und ihrer Vorläuferin PDS schwierig. Doch nach und nach wurde die Linke zu einer Koalitionsoption für die Sozialdemokraten.

Juli 1994 In Sachsen-Anhalt lässt Ministerpräsident Reinhard Höppner (SPD) seine rot-grüne Minderheitsregierung von der PDS tolerieren – das vieldiskutierte „Magdeburger Modell“.

August 1994 „Die PDS ist ein politischer Konkurrent und Gegner der SPD. Eine Zusammenarbeit mit ihr kommt für uns nicht infrage“, beschließt die SPD-Bundesführung. Die „Dresdner Erklärung“ gilt als Antwort auf eine „Rote-Socken“-Kampagne der Union im Bundestagswahlkampf.

November 1998 In Mecklenburg-Vorpommern führt Harald Ringstorff (SPD) die erste rot-rote Koalitionsregierung eines Landes. Chef der Bundes-SPD ist mittlerweile Oskar Lafontaine, der 1995 Rudolf Scharping abgelöst hatte. Er erklärt 1999, die „Dresdner Erklärung“ sei von der Wirklichkeit „überholt“.

Juni 2001 In Berlin lässt sich Klaus Wowereit (SPD) nach dem Bruch der großen Koalition mit Hilfe der PDS zum Regierenden Bürgermeister wählen. Damit gewinne „die deutsche Hauptstadt neue Perspektiven“, lobt Kanzler Gerhard Schröder (SPD).

Januar 2002 Nach der Abgeordnetenhauswahl bildet Klaus Wowereit eine Koalition mit der PDS. Dieses Bündnis hält zehn Jahre.

Januar 2008 „Mit der Linkspartei wird es keine Zusammenarbeit geben“, verspricht vor der Hessen-Wahl die dortige SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti. Doch später strebt sie – letztlich erfolglos– eine Zusammenarbeit an.

August 2009 SPD-Chef Franz Müntefering gibt den Landesverbänden freie Hand für Kooperationen mit der Linken. Anders auf Bundesebene: „Bis 2013 wird da nichts gehen.“

November 2013 Nach der Wahl 2013 beschließt ein SPD-Parteitag in Leipzig auf Drängen von Parteichef Sigmar Gabriel, dass vor Bundestagswahlen künftig keine Koalition mehr ausgeschlossen werden soll. Ausgenommen davon sind – mit Blick auf die AfD – nur rechtspopulistische Parteien.