Bahn-Streik

Darum geht es im Tarifstreit bei der Bahn wirklich

Nicht Löhne sind der Grund. Im Hintergrund wird um Macht gerungen

Zigtausende Bahnkunden bleiben erneut auf der Strecke, weil die Lokführergewerkschaft GDL das so will. Lokführer würden nicht anständig entlohnt, von der Deutschen Bahn nicht ausreichend gewürdigt, behauptet GDL-Chef Claus Weselsky – und ruft im Tarifkonflikt mit der Bahn bereits zum zweiten Mal zum Streik auf. Es wird nicht das letzte Mal sein. Nur: Verdienen Lokomotivführer in Deutschland wirklich unangemessen wenig?

Tatsächlich liegen ihre Gehälter unter dem Durchschnitt in Deutschland und unter dem, was sonst in vielen Bereichen der Verkehrsbranche bezahlt wird. Tatsache ist aber auch, dass die Anforderungen, Lokführer zu werden, vergleichsweise gering sind.

Ein Lokführer verdient bei der Deutschen Bahn mit Zulagen zwischen 2800 und 3600 Euro brutto im Monat. Die Gehälter liegen damit, abhängig von Qualifikation und Dienstjahren, unter dem allgemeinen durchschnittlichen Verdienst der deutschen Arbeitnehmer von 3449 Euro brutto im Monat. Allerdings reicht ein Hauptschulabschluss, um den Beruf lernen und ausüben zu können. Doch wie gut sind die Arbeitsbedingungen von Lokführern eigentlich im Vergleich zu anderen Berufen, bei denen Menschen transportiert werden und die Fahrer also eine hohe Verantwortung tragen? Die Piloten stehen finanziell viel besser da. Bei EasyJet liegt das Gehalt eines First Officer bei 5420 Euro, ein Senior Captain bekommt sogar 9117,67 Euro. Bei der Deutschen Lufthansa bekommen die Berufseinsteiger 5250 Euro im Monat und als Captain kann man in der höchsten Stufe sogar 18.750 Euro im Monat verdienen. Als Pilot muss man üblicherweise das Abitur bestanden haben, bevor man an einer Flugschule oder direkt von der Fluggesellschaft ausgebildet wird.

Auch Schiffskapitäne können sich über ein recht üppiges Gehalt freuen: So verdient ein Kapitän der deutschen Seeschifffahrt, der ein großes Schiff mit einer Bruttoraumzahl von mehr als 3500 lenkt, mit pauschalierten Zuschlägen 6574 Euro im Monat.

Aber die Forderung von mehr Geld und geringeren Arbeitszeiten sind nicht der Grund für die Eskalation dieser Tarifauseinandersetzung und damit für die Streiks, die Zigtausende Bahnkunden nun treffen. Tatsächlich geht es in diesem Konflikt um ein Kräftemessen der beiden großen Gewerkschaften bei der Bahn: der GDL und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Die ringen um Einfluss im Deutsche-Bahn-Konzern, wobei die bislang im gesamten Unternehmen deutlich mitgliederschwächere GDL der EVG die Berufsgruppe der Zugbegleiter abspenstig machen und für sie Tarifverträge abschließen will.

Die EVG wehrt sich nach Kräften und die Bahn will nicht zulassen, dass sie künftig Zugbegleiter oder auch Lokführer je nach Gewerkschaftszugehörigkeit entlohnen muss.