Streik

Mehr als zwei Dutzend Flüge von und nach Berlin gestrichen

Reisende trifft es in dieser Woche besonders hart: Bis Donnerstagmorgen sollte der Ausstand der Lokführer dauern, ab mittags wollen die Kapitäne der Lufthansa-Tochter Germanwings bundesweit für zwölf Stunden die Arbeit niederlegen. Das hatte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) am Mittwoch in Frankfurt angekündigt.

Rund 100 Flüge vor allem im Inland würden gestrichen, erklärte die Fluglinie. In Nordrhein-Westfalen und Thüringen gehen diese Woche die Herbstferien zu Ende. Viele Familien sind unterwegs. Nach Germanwings-Angaben sind im Streikzeitraum allein 1100 Kinder und Babys auf Flüge der Linie gebucht. Lufthansa-Chef Carsten Spohr sagte in Berlin: „Ich bedauere, dass gerade am Ferienende wieder Tausende Menschen betroffen sein werden.“ Wie sehr der Flughafen Tegel betroffen ist, war am Mittwoch noch unklar: „Genaueres gibt es erst im Laufe des Donnerstags“, sagte Lars Wagner, Sprecher der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH. Zwischen 12 Uhr und Mitternacht stehen normalerweise 44 Starts und Landungen von Germanwings auf dem Flugplan.

Germanwings veröffentlichte am Mittwoch einen Ersatzflugplan, der unter www.germanwings.com einzusehen ist. Dort waren am Abend 28 Flüge von und nach Tegel gestrichen. Vom Streik betroffenen Passagieren stehen wegen eines Streiks keine Ausgleichszahlungen zu, denn ein Streik gilt nach derzeitiger Rechtsprechung als höhere Gewalt. In diesem Fall ist die Airline laut dem Bundesgerichtshof von der Zahlungspflicht entbunden.

Die Gewerkschaft erklärte, Lufthansa habe alle Kompromissvorschläge nicht aufgegriffen und mauere weiter. „Deswegen müssen sich die Kunden in der nächsten Zeit auf weitere Streiks einstellen.“ In dem Tarifkonflikt geht es um die künftigen Übergangsrenten für 5400 Piloten und Kopiloten der Fluggesellschaften Lufthansa, Lufthansa-Cargo und Germanwings. Die Lufthansa hat die bisherigen Regeln Ende 2013 gekündigt. Sie will erreichen, dass die Piloten frühestens mit 60 (bislang 55) Jahren in den bezahlten Vorruhestand gehen können. Zudem soll das durchschnittlich zu erreichende Austrittsalter von 58 auf 61 Jahre angehoben werden. Dazu wurden komplexe Übergangsregeln angeboten. Zuletzt hatten die Piloten in einem Streit bei Germanwings Ende August für sechs Stunden die Arbeit niedergelegt. 116 Flüge fielen aus. VC hat in dem Konflikt seit April sechs Streiks organisiert und mehr als 4300 Flüge mit rund 500.000 betroffenen Passagieren ausfallen lassen.