Friedensnobelpreis

Kailash Satyarthi – der Befreier der versklavten Kinder

Fast sein ganzes Leben lang kämpft der bärtige Mann mit den sanften Augen gegen die Ausbeutung von Kindern – und rettete Zehntausende von ihnen vor dem sicheren Tod. Kailash Satyarthi, gelernter Elektroingenieur und inzwischen 60 Jahre alt, aus der kleinen Stadt Vidisha im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh hat erlebt, wie wenig der Schutz der Kindheit zählt in Südasien, wo Eltern aus schierer Armut gezwungen sind, ihre Söhne und Töchter in die Knechtschaft und Sklaverei zu verpfänden. Wo Kinderarbeiter ein Viertel sämtlicher ungelernter Arbeitskräfte ausmachen, allein in Kailashs Heimat Indien sind es 140 Millionen.

Kinderarbeiter sind billig und fast immer Opfer von Ausbeutung durch korrupte Geschäftsleute und Landbesitzer, die über dem Gesetz zu stehen scheinen, weil sie die Justiz korrumpieren. Satyarthi wollte sich das nicht mehr mitansehen. Und so gab er im Alter von 26 Jahren eine vielversprechende Karriere auf und widmete sein Leben dem Kampf für diejenigen, die sich nicht wehren können: den Kindern. Als junger Mann befreite er höchstpersönlich diese Kinder aus den Klauen ihrer Ausbeuter. Mit Gleichgesinnten stürmte er Fabriken, in denen Kinderarbeiter und oft sogar ganze Familien wie Sklaven gehalten wurden. Er kämpfte gegen bewaffnete Wachleute und trat verschlossene Tore ein. So befreite er über die Jahre Tausende Kinder und schenkte ihnen ein normales Leben.

Netzwerk in 140 Ländern

Seine Methoden wurden immer ausgefeilter und effizienter. Er setzte Anwälte ein, brachte Fälle vor Gericht, schuf Öffentlichkeit. Er veränderte die Einstellung der Menschen, sensibilisierte sie für die Missstände. In einer Welt, in der viele Menschen nur ihre eigenen Probleme sehen und die Augen verschließen vor Unrecht und Unterdrückung, zwang er sie, hinzusehen. Kailash baute eine weltumspannende Bewegung auf, die sich gegen Kinderarbeit wendet. Sein „Globaler Marsch gegen Kinderarbeit“ umfasst inzwischen mehr als 2000 soziale Organisationen und Gewerkschaften in 140 Ländern.

Heute propagiert er in aller Welt, keine Produkte zu kaufen, die durch Kinderarbeit hergestellt werden.

Am deutlichsten wird Kailashs Erfolg in der Teppichindustrie. Er konnte durchsetzen, dass jeder exportierte Teppich ein Zertifikat tragen muss, dass er nicht von Kinderhänden geknüpft wurde. Die „Rugmark-Stiftung“ ist Satyarthis Prestigeprojekt. Um den Verdienstausfall der Kinder zu kompensieren, bietet er den Familien eine Alternative: Die Eltern sollen den Platz ihrer Kinder einnehmen und dafür bezahlt werden.