Duell der Städte

„Tor für die Welt“ – Hamburg verspricht Spiele frei von Gigantismus

Hansestadt setzt bei ihrer Bewerbung auf kurze Wegeund Nachhaltigkeit

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz und Sportsenator Michael Neumann haben am Montagvormittag im Hamburger Rathaus das Olympiakonzept der Stadt für die Sommer- und Paralympischen Spiele 2024 oder 2028 vorgestellt. „In Hamburg geht es“, lautet dabei der erste Satz des 46-seitigen Dossiers, in dem die Stadt die 13 Fragenkomplexe des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) fristgerecht bis zum 31. August, 24 Uhr, beantwortet hatte. Scholz versprach „kompakte, nachhaltige Spiele, die frei von jedem Gigantismus sind und hervorragend in die Stadtentwicklung passen“.

Hamburg setzt in seinem Olympiakonzept vom „Tor zur Welt“ zum „Tor für die Welt“ auf die Weiterentwicklung der Stadt zu einer modernen Metropole, auf seine Weltoffenheit und Bürgerbeteiligung in allen Phasen der Kandidatur und der Spiele selbst. Die Bevölkerung soll ihre Ideen einbringen, aber auch im nächsten Frühjahr, wahrscheinlich Mitte Mai, abstimmen dürfen, ob sich Hamburg überhaupt für Sommerspiele bewerben soll, falls der DOSB der Hansestadt und nicht Berlin den Zuschlag gibt.

Hamburg setzt auf kompakte Spiele im Stadtkern. Das Olympiazentrum mit Olympiastadion, Schwimmhalle, Olympiahalle (Turnen, Ballsportarten) und olympischem Dorf würde sich auf dem Kleinen Grasbrook befinden, der Elbinsel gegenüber der östlichen HafenCity, nur zehn Minuten Fußweg vom Rathaus entfernt. Die jetzt dort ansässigen Hafenbetriebe (Fruchtterminal, Autoverladung) würden nach Westen verlagert. Alle Hamburger Sportstätten lägen in einem Umkreis von zehn Kilometern. Als weiteres Veranstaltungszentrum sind die Messehallen am Fernsehturm geplant. Hockey würde im St.-Pauli-Stadion am Millerntor gespielt werden. Außerhalb Hamburgs würden die Vielseitigkeitsreiterei (Luhmühlen), das Schießen (Garlsdorf) und Golf (Gut Kaden) ausgetragen. Die Vorrundenspiele der Ballsportarten Fußball, Handball, Basketball und Volleyball sind auch in den benachbarten Bundesländern geplant, Handball explizit in den Hochburgen Flensburg und Kiel. Um das Segelquartier bewerben sich Rostock/Warnemünde, Lübeck, Kiel und Cuxhaven.

Investitionsbudget für 2024 läge bei 2,09 Milliarden Euro. Für Olympia müssten zwar zahlreiche vorhandene Sportstätten in Hamburg renoviert werden, neugebaut werden müssten aber nur das Olympiastadion, die Olympia- und Schwimmhalle, ein 7er-Rugby-Stadion (im Volkspark geplant) und eine Kanuslalomwildwasserstrecke (Wilhelmsburg). Das Investitionsbudget für die Sportstätten läge für die Spiele im Jahr 2024 bei rund 2,09 Milliarden Euro, für die Spiele 2028 bei 2,17 Milliarden Euro. Für alle Sportstätten wird es ein sportliches oder gewerbliches Nachnutzungskonzept geben, keine Anlage wird später leer stehen. Im olympischen Dorf sollen später 3000 Wohnungen entstehen, ein Drittel davon wären geförderter Wohnungsbau.

Nachhaltige Spiele

Olympische und Paralympische Spiele würden in Hamburg im Zeichen des Umwelt- und Lärmschutzes stehen: nachhaltiger Umgang mit energetischen Ressourcen in Gebäuden, nachhaltiger Umgang mit öffentlichen Gütern, Einsatz umweltschonender Baustoffe, besondere Berücksichtigung von Gesundheit und Behaglichkeit, nachhaltiger Gebäudebetrieb und Barrierefreiheit. Die „Olympic City“ auf dem Kleinen Grasbrook wäre nur zu Fuß oder mit Fahrrad zu erreichen. S- und U-Bahn würden die Besucher bis auf 800 Meter an den Eingangsbereich heranfahren. Olympische Spiele im Zeichen der Nachhaltigkeit Hamburg will die Nachhaltigkeit der Olympischen und Paralympischen Spiele bereits vorher messen und bewerten lassen. „Die Ergebnisse würden transparent und öffentlich dargestellt und Gegenstand eines kontinuierlichen Dialogs“, heißt es in dem Bewerbungspapier. Auch will Hamburg keine Schulden für Olympia machen, betonte Bürgermeister Scholz: „Die Schuldenbremse gilt!“

Wann es eine Entscheidung über den deutschen Kandidaten (Berlin oder Hamburg) für die Sommerspiele 2024 oder 2028 geben wird, ist weiter offen. Möglich ist weiterhin, dass der DOSB den deutschen Olympiakandidaten erst nach dem Reformkongress des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) am 7./8. Dezember in Monte Carlo kürt und für Ende Januar eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberuft. Auf Initiative seines neuen deutschen Präsidenten Thomas Bach will das IOC die Vergaberichtlinien und die Rahmenbedingungen für Olympische Spiele überarbeiten. Motto der Veränderungen: Nicht die Ausrichterstadt soll sich dem IOC anpassen, sondern das IOC an die Bedingungen der Stadt. Auch dass der DOSB sich gegen eine Kandidatur für 2024 entscheidet – weil zum Beispiel der Deutsche Fußball-Bund (DFB) in diesem Jahr die EM ausrichten möchte – und erst für 2028 antreten will, bleibt eine Option. In diesem Fall würde der DOSB vorerst keinen Bewerber benennen. Bach hatte zuletzt wiederholt erklärt, dass er eine deutsche Olympiabewerbung begrüßen würde und sie für chancenreich hielte.