Wettbewerb

Fernbusse kosten die Deutsche Bahn Millionen Euro

Die Konkurrenz auf der Straße gewinnt immer mehr Kunden

Seit vergangenem Jahr hat die Deutsche Bahn reichlich Konkurrenz – auf der Straße. Zahlreiche Fernbusunternehmen buhlen seither um Kunden. Die neuen Anbieter heißen zum Beispiel MeinFernbus.de aus Berlin, Flixbus aus München und ADAC Postbus aus Bonn. Sie alle haben die Hauptstadt im Programm. Die neuen Konkurrenten werben mit kostenlosem Wlan und bequemen Sitzen – und deutlich niedrigeren Preisen.

Am Mittwoch zahlte ein Erwachsener für eine Fahrt vom Berliner ZOB am Messegelände nach München am kommenden Donnerstag mit ADAC Postbus ab 27 Euro, MeinFernbus bot ein Ticket ab 22 Euro an, bei Flixbus waren es ab 21 Euro. Die Deutsche Bahn verlangte regulär 130 Euro, mit der Bahncard 50 die Hälfte. Zeitlich ist die Bahn im Vorteil: Der ICE braucht in der Regel zwischen sechs Stunden und acht Minuten und sechs Stunden und 26 Minuten. ADAC Postbus geht von sieben Stunden und 55 Minuten aus, MeinFernbus von sieben Stunden und fünf Minuten, FlixBus kalkuliert mit rund siebeneinhalb Stunden.

Eine Fahrkarte Berlin–Hamburg war bei FlixBus für kommenden Donnerstag ab acht Euro zu haben, MeinFernbus verlangte ab elf Euro, ADAC Postbus ab zwölf Euro. Die Fahrzeit beträgt jeweils drei Stunden und zehn Minuten. Die Bahn ist deutlich schneller: Von Hauptbahnhof zu Hauptbahnhof dauert es knapp eine Stunde und 45 Minuten. Allerdings kostet das Normalticket 78 Euro, mit der Bahncard 50 39 Euro – es sei denn, man bucht Wochen im voraus ein Sparticket ab 29 Euro.

Nicht immer kann die Bahn ihren Geschwindigkeitsvorteil ausspielen. Etwa nach Dresden. Eine einfache Fahrt von Berlin in die sächsische Hauptsstadt dauert mit dem Eurocity zwei Stunden und sechs Minuten. Sonst gibt es ICE-Verbindungen, die allerdings zwei Stunden und 46 Minuten brauchen – weil der Reisende in Leipzig den Zug wechseln muss und 22 Minuten Umsteigezeit hat.

Konkurrenz legt kräftig zu

MeinFernbus braucht vom Alexanderplatz zum Hauptbahnhof Dresden zwei Stunden und 50 Minuten – ohne Umsteigen. Dazu der Preis: Die Deutsche Bahn verlangt je nach Verbindung für kommenden Donnerstag ab 29 Euro, Sparpreis, für einen Erwachsenen. Der Normalpreis sind 65 Euro im ICE, 40 Euro im IC/EC. MeinFernbus bot die Fahrkarte am Mittwoch für fünf Euro an, ADAC Postbus für acht Euro, FlixBus ab fünf Euro.

Vor allem Studenten und Rentner, für die Zeit nicht so wichtig ist, wandern von der Bahn zur Buskonkurrenz ab. 2013 verlor die Fernverkehrssparte der Bahn so 20 Millionen Euro Umsatz. Das klingt angesichts eines Milliardenumsatzes wenig. Doch im ersten Halbjahr waren es bereits 50 Millionen Euro. Die Bahn will gegensteuern. Als der Konzern seine Halbjahreszahlen vorlegte, sagte Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg: „Einen Preiskampf mit dem Fernbus wird es von der Schiene nicht geben können.“ Was der Kunde durchschnittlich als Preis für die Fernbusnutzung zahle, sei das, was beim Fernverkehr allein schon nötig sei, um die Gebühr für die Nutzung des Schienennetzes zu zahlen. Das verdeutliche, „dass es einen Preiskampf – so, wie ihn manche sich vielleicht wünschen würden – nicht geben kann und darf“.

Trotzdem versucht es die Bahn etwas: Mit dem IRE, der seit 2013 zwischen Berlin und Hamburg über eine Nebenstrecke fährt, langsamer ist und nur 19,90 Euro kostet. Sonst geht es um Qualität. So soll Ende 2014 in allen ICE guter Wlan-Empfang möglich sein. Die Deutsche Telekom als Partner wird deshalb die Zahl der Funkmasten entlang der Strecken aufstocken, damit der Funkzellenwechsel mit dem Tempo mithalten kann. Und die Bahn ist mit Bex selbst im Fernbusgeschäft. Und sie will, wie am Südkreuz, eigene Busbahnhöfe für alle einrichten – und so vom Fernbustrend profitieren.