Ausland

Haidar al-Abadi soll neue Regierung im Irak bilden

Viel Glück haben die Iraker in den vergangen drei Jahrzehnten mit ihren Politikern wirklich nicht gehabt.

Erst der sunnitische Diktator Saddam Hussein, nun ein schiitischer Autokrat, der zunehmend allen im Wege steht und seinem eigenen Machterhalt mehr Aufmerksamkeit widmet, als konstruktiver Politik zur Lösung der Probleme in seinem Land.

Vor acht Jahren kam der 1950 in der Nähe der irakischen Stadt Hilla geborene Nuri al-Maliki an die Macht in Bagdad. Damals hielten ihn alle wichtigen Spieler für den Post-Saddam-Irak für eine gute Wahl. Washington, weil er keiner großen politischen Strömung angehörte und damit auch nicht zwischen der schiitischen Bevölkerungsmehrheit und der sunnitischen oder christlichen Minderheit zu polarisieren drohte. Der Iran, weil er dort kein Unbekannter war.

Al-Maliki engagierte sich schon als 18-jähriger Student in der schiitischen Dawa-Partei, dessen Vizepräsident er immer noch ist. Seine offene Feindschaft zum Baath-Regime und zu Saddam Husseins Machtclique quittierte das diktatorische Revolutionsgericht mit einem Todesurteil, was al-Maliki dann zur Flucht in den Iran veranlasste. Aus dem syrischen Exil steuerte er zusammen mit dem Arzt Ibrahim al-Dschafari, der 2005 irakischer Übergangspremier werden sollte, das sogenannte Dschihad-Büro zur Koordinierung der Opposition gegen Saddam Hussein. Der Kandidat galt also 2006, als es darum ging, einen Chef für die neue Einheitsregierung zu finden, als idealer Kandidat: Opposition zum Saddam-Regime, Angehöriger der Bevölkerungsmehrheit, Intellektueller, iranfreundlich und dem Westen gegenüber aufgeschlossen. Doch der verheiratete Vater eines Sohnes und dreier Töchter zeigte im Laufe seiner Amtszeit autoritäre Tendenzen.

Längst hat man in Bagdad erkannt, dass dieser Premier in dem zerfallenden Krisenstaat, den die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in seinen Grundfesten erschüttert, nicht nur keine Probleme löst, sondern neue schafft. Die Amerikaner sehen in ihm keinen verlässlichen Partner mehr und so lange das so ist, wird ihr Engagement überschaubar bleiben

Al-Maliki ist einen weiten Weg gegangen und er wird, so steht es zu befürchten, seinen Platz nicht kampflos räumen. In Bagdad ließ er gepanzerte Fahrzeuge auffahren, um seine Macht zu demonstrieren. Er ist keiner, der freiwillig und geräuschlos geht. Das machte er auch am Montagabend klar, als er im Fernsehen die Nominierung des Schiiten Haidar al-Abadi zum neuen Regierungschef als „Verstoß gegen die Verfassung“ zurückwies. Keine guten Bedingungen für ein Land, das so dringend Entscheidungen und professionelle Führung braucht.