Unternehmen

Baudienstleister muss seinen Sparkurs fortsetzen

Vorstandschef Roland Koch geht, das laufende Sparprogramm aber bleibt.

Und das bedeutet Stellenabbau bei Bilfinger, Deutschlands größtem Baudienstleister. „Die von Herrn Koch eingeleiteten strategischen Initiativen sind alle richtig und werden vom Aufsichtsrat voll mitgetragen“, sagte Bilfinger-Aufsichtsratschef Bernhard Walter in Frankfurt/Main. Koch scheidet Ende der Woche aus.

Grund für Kochs Weggang sei, dass er die selbst gesetzten Ziele mehrfach verfehlt habe. Hauptaufgabe von Kochs Vorgänger und vorübergehendem Nachfolger Herbert Bodner werde die Wiederherstellung des Vertrauens in die Verlässlichkeit des Unternehmens sein. „Er muss Ruhe nach innen und außen schaffen.“ Was dadurch nicht leichter wird, dass Bilfinger Koch voraussichtlich noch rund 3,5 Millionen Euro Gehalt zahlen muss. Der Vertrag mit ihm sei „nicht aus einem wichtigen Grund“ beendet worden, sagte Walter – Juristendeutsch dafür, dass ihm keine Verfehlungen vorgeworfen werden.

„Die Company wird die Ansprüche erfüllen, die Herr Koch hat“, kündigte der Aufsichtsratschef denn auch an. Dem Ex-Politiker werde das Gehalt bis zum Ablauf seines Vertrags im Februar 2016 gezahlt. Die – von Walter nicht bezifferte – Summe ergibt sich, legt man Kochs letztes Gehalt zugrunde. Nach dem jüngsten Geschäftsbericht verdiente Koch einschließlich Grundgehalt, Sachbezügen und Sofortbetrag im vergangenen Jahr 2,35 Millionen Euro.

Der scheidende Konzernchef hatte zuletzt versucht, auch Stellen zu streichen, um den Gewinn zu erhöhen. Erst vor wenigen Wochen kündigte er einen Einstellungsstopp in den Sparten Kraftwerksservice (Power) und Industrieservice an und schloss auch betriebsbedingte Kündigungen nicht aus. Bereits zuvor hatte der Vorstand angekündigt, 1250 Verwaltungsstellen zu streichen. Mit den Maßnahmen sollen von 2015 an rund 90 Millionen Euro jährlich gespart werden. Für 2014 rechnet der Konzern jetzt mit einer Leistung von 7,8 Milliarden Euro und einem Gewinn von 205 bis 220 Millionen Euro.

Gescheitert ist der ehemalige hessische Ministerpräsident in seiner neuen Rolle nach Darstellung von Walter vor allem an seinem Ehrgeiz. Die Gewinnziele seien zu ambitioniert gewesen. „Wenn Ziele nicht erreicht werden, wird die Stimmung im Aufsichtsrat schon einmal etwas angespannter“, sagte der Aufsichtsratschef. „Bei fortgesetzter Zielverfehlung kippt die Stimmung in Richtung Vertrauensverlust.“ Dies war offenbar der Fall. Koch, von Hause aus Jurist, hatte von Anfang an gegen Skepsis zu kämpfen, ob er als eingefleischter Politiker der richtige Mann für einen Spitzenjob in der Wirtschaft sei. Die Vorwürfe fallen nun auf Walter zurück, der Koch 2011 geholt hatte.

Walter verteidigte seine Entscheidung jetzt. Koch habe sich mit bewundernswerter Schnelligkeit in die für ihn neue Materie eingearbeitet und könne heute mit Bauingenieuren auf Augenhöhe über fachliche Fragen wie Schlitzwände oder Standfestigkeit diskutieren. Ebenso lehnte der 72-Jährige den verbreiteten Argwohn gegen Seitenwechsel von Politikern in die Wirtschaft ab. „Ich würde mir nach wie vor wünschen, dass es mehr Wechsel von der Politik in die Wirtschaft gäbe, und umgekehrt“, sagte er.