Ebola

Infizierter Mediziner in den USA angekommen

Kent Brantly hatte sich bei seiner Arbeit in Liberia angesteckt. Sein Zustand ist stabil

Der Patient betrat das Krankenhaus durch den Hintereingang, aufrecht und auf eigenen, wenngleich etwas unsicheren Beinen. Am Sonnabend Mittag gegen 12.30 Uhr Ortszeit traf der Ambulanzwagen mit dem Arzt Dr. Kent Brantly am Emory-Universitätsklinikum in Atlanta im Bundesstaat Georgia ein. Brantly hatte sich bei seiner Arbeit in Liberia mit dem gefährlichen Ebola-Virus infiziert; er ist der erste bekannte Ebola-Patient auf amerikanischem Boden.

Brantly, 33, war zuvor in einem speziell für den Transport hoch infektiöser Notfallpatienten ausgestatteten Flugzeug des Typs Gulfstream III von Monrovia über Maine auf die Luftwaffenbasis Dobbins geflogen worden. Während des Fluges lag er in einem Isolierzelt.

Auf der Dobbins Air Force Base wurde Brantly von einem Team aus Ärzten und Sanitätern in Empfang genommen und mit einem Ambulanzwagen mit Eskorte in das knapp 30 Kilometer entfernte Emory-Krankenhaus gefahren. Bereits am Vormittag hatte die Polizei Teile des Campus der privaten Universität weiträumig abgesperrt. Mithilfe eines Sanitäters, der einen weißen Schutzanzug und eine Atemmaske trug, stieg Brantly, ebenfalls in Schutzkleidung, vorsichtig aus dem Wagen und betrat den Klinikkomplex. Da war die Gulfstream III bereits wieder von der Dobbins Air Force Base gestartet, zurück Richtung Liberia, wo sie einen zweiten mit Ebola infizierten Patienten aufnehmen und nach Atlanta bringen soll: die Hygienikerin Nancy Writebol, die wie Brantly für die christliche Hilfsorganisation Samaritan’s Purse in North Carolina arbeitet. Sie soll zu Wochenbeginn im Emory-Krankenhaus eintreffen. Brantly hatte zuvor Hilfe von einem 14-Jährigen bekommen, der dank der Hilfe des amerikanischen Arztes die Krankheit überlebt hatte. Brantly bekam nun Blut von dem Kind gespritzt – mit der Hoffnung auf Antikörper, die seinem Körper beim Kampf gegen das Virus helfen könnten. „Der Junge und seine Familie wollten helfen, das Leben des Arztes zu retten“, sagte Franklin Graham, Chef der Hilfsorganisation.

Emory ist neben Kliniken in Nebraska, Montana und Maryland eines von nur vier Krankenhäusern in den USA, das mit besonders ausgestatteten Isolierstationen auf die Aufnahme und Behandlung hoch infektiöser Patienten eingerichtet ist. Ebola ist aber auch für die Seuchenärzte in Atlanta eine Premiere. Dr. Bruce Ribner, Leiter der Abteilung für Infektionskrankheiten bei Emory, sagte, das Krankenhaus sei auf die Ankunft der Ebola-Patienten vorbereitet. „Wir haben keinerlei Sicherheitsbedenken.“ Ebola werde durch Körperflüssigkeiten übertragen – Blut, Speichel, Urin und andere Ausscheidungen. „Anders als Influenza, die Grippe also, mit der wir es jeden Winter zu tun haben, verbreitet sich das Ebola-Virus nicht über die Luft.“

Bislang ist Ebola nicht heilbar. Die Ärzte können nur die Symptome bekämpfen und den Allgemeinzustand der Patienten stabilisieren: mit Bluttransfusionen und intravenöser Gabe von Flüssigkeit und Elektrolytlösung, mit einer Behandlung der gestörten Blutgerinnung, mit der Gabe von Antibiotika, um Sekundärinfektionen bei einem schwachen Immunsystem in Keim zu ersticken, oder mit einer Dialyse, falls die Nieren angegriffen sind.

„Das ist alles, was wir für die Patienten tun können. Wir müssen darauf hoffen, dass ihre Körper das Virus von alleine bekämpfen“, sagte Ribner. Diese Art der stabilisierenden Versorgung sei in den USA sehr viel besser gewährleistet als in Afrika, das erhöhe die Überlebenschancen deutlich. Ein Sprecher von Samaritan’s Purse hatte den Zustand der Amerikaner als „sehr ernst, aber stabil“ beschrieben. Die Ehefrau des erkrankten Arztes, Amber Brantly, erklärte: „Ich habe mit meinem Mann gesprochen, und er ist glücklich und erleichtert, wieder in den USA zu sein.“ Sie und andere Familienmitglieder durften am Abend durch eine Glaswand mit dem Patienten sprechen. „Ich bin zuversichtlich, dass er es schaffen wird“, sagte Brantlys älterer Bruder Kevin.