Argentinien

Sie entscheiden über die finanzielle Zukunft

Argentinien ist pleite. Zum zweiten Mal binnen zwölf Jahren muss das Land Staatsbankrott anmelden. Doch wer sind diejenigen, die diesen Mal entscheiden? Die drei wichtigsten Akteure in diesem Drama um Argentiniens Schulden:

Paul Singer, Spekulant

Der Selfmade-Milliardär Paul Singer ist Wegbereiter der Strategie, Schuldscheine bankrotter Staaten billig aufzukaufen, um dann – notfalls vor Gericht – die Auszahlung des vollen Nennwerts zu fordern. Mit dieser umstrittenen Methode hat der Gründer der Investmentfirma Elliott Management, Mutter des Hedgefonds NML Capital, sein Vermögen aufgebaut, das auf 1,5 Milliarden Dollar geschätzt wird. Für Argentinien und andere Kritiker ist der 69-Jährige ein „Aasgeier“. Für viele andere an der Wall Street ist er ein Investor, der es schaffen könnte, aus den 48 Millionen Dollar, die sein Unternehmen in verbilligte argentinische Staatsanleihen investierte, 832 Millionen Dollar zu machen.

Singer studierte Psychologie, bevor er an der Eliteuniversität Harvard in Jura promovierte. Als Anwalt vertrat er in zahlreichen Streitfällen konservative Republikaner, 2012 unterstützte er Präsident Barack Obamas Herausforderer Mitt Romney. Für viele überraschend stellte er sich aber hinter die Homo-Ehe. Diese sei „eine wunderbare Sache“, erklärte der Vater eines schwulen Sohnes. Die Probleme Argentiniens nennt er „selbst verschuldet“. Allerdings signalisierte er Gesprächsbereitschaft: „Wir könnten die Sache an einem Nachmittag klären“, sagte er einmal im Januar.

Thomas Griesa, Richter:

1972 vom ehemaligen US-Präsidenten Richard Nixon zum Bundesrichter ernannt, hat Griesa seit zehn Jahren den Vorsitz in dem Rechtsstreit zwischen Argentinien und den US-Hedgefonds. Er ist bekannt für sein unerbittliches, ernstes Auftreten im Gerichtssaal. Die herabhängenden Augenlider und die gebeugte Haltung des inzwischen 83-Jährigen scheinen eine gewisse Erschöpfung zu bezeugen – Beobachter gehen davon aus, dass er sich auf seine Ranch in Montana zurückzieht, wenn der Rechtsstreit um Argentiniens Schulden endlich beigelegt ist. Für ein Bezirksgericht steht in solch einem Fall viel auf dem Spiel. Kritiker werfen Griesa vor, das internationale Finanzsystem mit seiner Entscheidung umzukrempeln, weil er die Möglichkeit angeschlagener Staaten zur Umschuldung untergrabe. In einem Kommentar der „New York Times“ hieß es kürzlich, Griesas Entscheidungen in dem Fall „sollten einen Zweck erfüllen – Argentinien dazu zu zwingen, das zu erfüllen, was er wiederholt dessen ‚Verpflichtungen‘ nannte“.

Cristina Kirchner, Präsidentin:

Anders als im Jahr 2001, als die Krise in Argentinien vier Präsidenten in zehn Tagen zum Rücktritt zwang, hat Cristina Kirchner die finanziellen Sorgen des Landes zu einer politischen Waffe gemacht. Sowohl in der eigenen Bevölkerung als auch bei verbündeten linksgerichteten Staatenlenkern in der Region hat sie mit ihrer Hartnäckigkeit gegenüber den US-Fonds Punkte gesammelt. Sie wirft den „Geierfonds“ vor, US-Gerichte zu beherrschen, um Lateinamerikas drittgrößte Wirtschaftsmacht als Geisel zu nehmen. Bekannt für ihre schulmeisterliche Art bemüht sich die 61-Jährige darum, das Vermächtnis der von ihrem verstorbenen Ehemann und Amtsvorgänger Nestor Kirchner begründeten Präsidentendynastie aufrechtzuerhalten. Nestor Kirchner hatte bei seinem Amtsantritt 2003 einen Schuldenberg übernommen, der 160 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachte. Seine Frau hat diese Zahl auf 40 Prozent reduziert. Und sie will auf jeden Fall verhindern, dass ihr Land wegen „Erpressung“ durch US-Hedgefonds und Gerichte erneut kollabiert.