Extremismus

Mann mit Kippa in Charlottenburg angegriffen

Ein junger Mann mit einer Kippa ist in Berlin Opfer eines möglicherweise antisemitischen Angriffs geworden.

Ein Fremder habe dem 18-Jährigen im Stadtteil Charlottenburg unvermittelt ins Gesicht geschlagen, teilte die Polizei am Freitag mit. Dabei sei die Brille des Opfers heruntergefallen, auf die der Angreifer getreten habe. Der 18-Jährige floh in eine nahe gelegene Synagoge. Er sagte am Donnerstag direkt nach der Tat bei der Polizei aus, er sei wohl wegen seiner Kippa, also einer traditionellen jüdischen Kopfbedeckung, geschlagen worden. Der Staatsschutz übernahm die Ermittlungen. Ob das Opfer jüdischen Glaubens ist, wurde nicht mitgeteilt. In Berlin und anderen Städten war es in den vergangenen Tagen vermehrt zu judenfeindlichen Beschimpfungen gekommen. Auslöser ist das militärische Vorgehen Israels gegen die Palästinenser im Gazastreifen.

Übergriffe auf jüdische Berliner oder Besucher aus Israel haben in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen. Das führte teilweise dazu, dass jüdische Organisationen und Synagogengemeinden Mitgliedern empfahlen, auf das sichtbare Trage jüdischer Symbole wie die traditionelle Kippa oder Ketten mit einem Davidstern-Anhänger in bestimmten Gegenden zu verzichten. Schlagzeilen weit über Berlin hinaus machte im August 2012 ein gewalttätiger Angriff auf den bekannten Rabbi Daniel Alter in Friedenau. Mehrere Jugendliche vermutlich arabischer Herkunft stellten sich dem Rabbi, der in Begleitung seiner kleinen Tochter war, entgegen und fragten ihn, ob er Jude sei. Als er dies bejahte, schlugen die Angreifer zu. Es folgte eine Welle der Solidarität mit dem Opfer, auch von Seiten muslimischer Berliner.

Andere Fälle mit namenlosen Opfern kamen dagegen in den Medien nur als kurze Meldungen vor. Kamen die Täter früher fast ausschließlich aus dem rechtsextremen Lager, handelt es sich bei ihnen inzwischen überwiegend um Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund.