Sicherheit

Behörden heben Flugverbote nach Tel Aviv auf

Die Europäische Luftfahrtbehörde EASA hat ihre Empfehlung zurückgenommen, den israelischen Flughafen Tel Aviv vorerst nicht mehr anzusteuern.

Die EASA erklärte am Donnerstag, die nationalen Luftfahrtbehörden sollten auf Grundlage einer Risikoanalyse über Flugverbindungen nach Tel Aviv entscheiden. Die EASA hatte am Dienstag dringend geraten, Tel Aviv zunächst nicht mehr anzufliegen. Hintergrund war der Einschlag einer palästinensischen Rakete in der Nähe des Flughafens. Auch die US-Behörde FAA hob das Flugverbot für amerikanische Airlines auf.

Wie die FAA bekannt gab, darf der Flughafen Ben Gurion seit 5.45 Uhr (MESZ) am Donnerstag wieder von US-Airlines angeflogen werden. Auch der britische Billigflieger EasyJet kündigte die Wiederaufnahme des Flugbetriebs nach Israel an. Andere Fluglinien wie die Lufthansa wollten jedoch vor einer Wiederaufnahme der Flüge weiter abwarten.

Fast zeitgleich wurden über dem Großraum Tel Aviv wieder fünf aus dem Gazastreifen abgefeuerte Raketen abgefangen. Die radikalislamische Hamas teilte mit, sie ziele weiter auf den Flughafen bei Tel Aviv. Der israelische Transportminister Israel Katz sprach von einer „sehr wichtigen Entscheidung“ der FAA. Man habe vorher „auf allen Ebenen“ agiert. „Wir haben erklärt, wie sicher der Himmel über Israel ist, wie sicher der Flughafen ist“, sagte Katz dem israelischen Rundfunk. Trotz der Entwarnungen fliegen Air Berlin und auch die Lufthansa Tel Aviv vorerst wieder nicht an. Das Unternehmen haben nach einer „Risikoanalyse“ und „intensiver Beratung“ entschieden, den Flugbetrieb dorthin auch am Freitag auszusetzen, teilte die Lufthansa am Donnerstagabend mit.

Die Luftabwehr von El Al

Zuletzt hatten fast nur noch israelische Fluggesellschaften den Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv angeflogen. Israelische Airlines gehören, weil der Nahostkonflikt sie dazu zwingt, zu den sichersten der Welt. Zum Beispiel El Al, die größte israelische Airline: El Al, was Hebräisch ist und so viel heißt wie „nach oben, zu Gott hin“, verlangt von seinen Gästen, mindestens drei Stunden vor dem Start am Flughafen zu sein. Dann folgen umfangreiche Sicherheitskontrollen. Viele Flugzeuge von El Al sind mit einem Abwehrsystem gegen Raketen mit Infrarotsprengköpfen ausgestattet. Diese Raketen suchen die Triebwerke der Flugzeuge. Erkennt das System, dass eine solche Rakete im Anflug ist, werden Täuschkörper abgefeuert – eine Art Feuerwerk, das die feindliche Rakete ablenkt. Näheres ist nicht bekannt, El Al spricht natürlich nicht über das Abfangsystem: Je geheimer die Abwehr, desto effektiver ist sie. Fest steht wohl, dass die Airline bald auch die Langstreckenflugzeuge mit diesem System ausrüsten wird. Auch die Maschine, die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) transportiert, soll demnächst mit einem ähnlichen System ausgerüstet werden. Die „Air Force One“ des US-Präsidenten verfügt längst über einen solchen Abwehrmechanismus.

Eine Woche nach Beginn der israelischen Bodenoffensive im Gazastreifen werden die Kämpfe immer verlustreicher. Am Donnerstag wurden mindestens 51 Palästinenser getötet, unter ihnen viele Zivilisten, teilten die Rettungsdienste mit. Bei einem israelischen Granatenangriff auf eine UN-Schule im nördlichen Gazastreifen starben nach palästinensischen Angaben mindestens 15 Menschen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ließ keine Bereitschaft zu einer Einstellung der Kampfhandlungen erkennen. „Wir treiben unsere Operationen in Gaza mit voller Kraft voran, in der Luft und am Boden“, sagte er. Der britische Außenminister Philip Hammond drängte hingegen kurz zuvor in einer Unterredung mit Netanjahu: „Es ist nötig, die Bodenoperationen in Gaza möglichst schnell zu einem Abschluss zu bringen.“ Israel wirft der im Gazastreifen herrschenden Hamas vor, immer wieder aus dicht bewohnten Vierteln die Armee anzugreifen und so den Tod von Zivilisten in Kauf zu nehmen.