Nahost-Konflikt

Die Situation in Gaza eskaliert

Die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem Konflikt

Der seit der Nacht zum Dienstag laufende israelische Militäreinsatz gegen die Raketenangriffe aus dem palästinensischen Gazastreifen dürfte von längerer Dauer sein. Kommt es zu einer Bodenoffensive, wird die bereits hohe Zahl von Toten in der Zivilbevölkerung weiter steigen. Eine aussichtsreiche Vermittlung zeichnet sich nicht ab. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Worum geht es der Hamas?

Die radikalislamische Hamas-Bewegung kämpft um ihr Überleben. Im Westjordanland wurde sie in den vergangenen Wochen durch Massenverhaftungen und Beschlagnahmungen fast zerschlagen, im Gazastreifen ist sie nach dem Machtwechsel in Ägypten isoliert und liegt finanziell am Boden – „sie hat nichts mehr zu verlieren“, sagt Muchaimer Abu Saada, der Politikprofessor an der Al-Aksa-Universität in Gaza ist. Deshalb sucht die Hamas die Unterstützung der breiten palästinensischen Bevölkerung durch schnelle Erfolge – sei es durch die Aufhebung der Gaza-Blockade, sei es durch einen spektakulären Angriff auf israelische Ziele. Deshalb weitete sie auch diese Woche Ziele und Zahl ihrer Raketenangriffe aus und startete Kommandoaktionen mit Tauchern und in Geheimtunneln.

Was will Israel erreichen?

„Am Ende darf die Hamas keine Mittel mehr besitzen, um Raketen zu fabrizieren“, sagt Gilad Erdan, Angehöriger des Sicherheitskabinetts und in der Regierung für das Ressort Umwelt zuständig. Anders als bei der Eskalation im November 2012 will sich Israel diesmal nicht mit einer Feuerpause zufriedengeben. Die Regierung stimmt die Bevölkerung deshalb auf einen längeren Waffengang und mögliche eigene Verluste ein.

Werden Panzer und Infanteristen in den Gazastreifen einrücken?

Zwei unterschiedliche Bodeneinsätze werden diskutiert: Eine langanhaltende Invasion hätte zum Ziel, wie im Westjordanland alle Strukturen der Hamas zu zerschlagen. Kürzer könnte ein Einmarsch verlaufen, der sich auf die nachhaltige Schwächung der bewaffneten Gruppierungen in dem Küstengebiet konzentriert. „Die Hamas rechnet nur mit einer begrenzten Bodenoffensive Israels, da eine Wiederbesetzung des Gazastreifens praktisch unmöglich ist“, erklärt Muchaimer Abu Saada, Politikprofessor an der Al-Aksa-Universität in Gaza. Gegenwärtig bringt Israel etwa 30.000 Soldaten in Stellung und rüstet diese aus. Kommt es zu tödlichen Angriffen in Israel, würde dies den Invasionsbefehl beschleunigen.

Wie lange kann die Hamas ihr Drohpotenzial aufrecht erhalten?

Israelische Militärexperten schätzen die Feuerkraft der Hamas auf rund 10.000 Raketen sehr unterschiedlicher Reichweite – wobei sie in den vergangenen Tagen damit überraschte, dass ihre Geschosse Ziele in 160 Kilometern Entfernung im Norden Israels erreichten. Die mehreren hundert Raketen größerer Reichweite wird die Hamas aber nur kalkuliert einsetzen, erwarten die Experten. Amos Gilad, Strategieberater im Verteidigungsministerium, sagt, es sei sehr unwahrscheinlich, dass die libanesische Hisbollah der Hamas durch gleichzeitigen Raketenbeschuss aus dem Südlibanon zu Hilfe kommt.

Kann das Ausland vermitteln?

Alle schauen hier zuerst nach Ägypten, das Beziehungen zu Israel und zu den Palästinensern unterhält und 2012 erfolgreich tätig wurde. „Eine Vermittlungsinitiative im eigentlichen Sinne gibt es derzeit nicht“, sagt dazu Badr Abdel Lati, Sprecher des Außenministeriums in Kairo. Entsprechende Kontakte hätten „zu keinem Ergebnis geführt“. Da die aktuelle ägyptische Regierung die Hamas als feindliche Organisation einstuft, ist sie zudem kaum bereit, deren Bedingungen für einen Waffenstillstand gegenüber Israel nachdrücklich zu vertreten. Abu Saada rechnet damit, dass die Islamisten das Emirat Katar oder die Türkei als Vermittler anrufen könnten.