TV-Kritik

Ein Stargast bei Günther Jauch – aber keine Debatte

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Felix Müller

Etwas unangenehm konnte man den Stolz schon spüren, diesen Gast in der Sendung zu haben. Sonst werden bei der Talkshow von Günther Jauch ja selten Bilder eingespielt, wie ein etwas schülerhaft aufgeregter Moderator seinen Stargast im Hof des Schöneberger Gasometers begrüßt. Aber diesmal war es so, ein bisschen wie beim Staatsbesuch. Dabei bekleidet Hillary Clinton momentan kein wichtiges Staatsamt, Außenministerin der Obama-Administration war sie nur bis zum Februar vergangenen Jahres. Aber sie hat ein Buch geschrieben mit dem Titel „Entscheidungen“, das sie momentan auf einer Lesetour bewirbt und das so etwas sein soll wie eine Blütenlese ihres politischen Lebens – einerseits. Und andererseits ein Klopfzeichen für eine mögliche Präsidentschaftskandidatur.

Das gab den Rahmen vor für eine etwas ungewöhnliche Gesprächsrunde. Sie war ungewöhnlich, weil mit der ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche Margot Käßmann und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen zwei prominente und kluge Frauen geladen waren, die hier in die Rolle von Stichwortgebern gedrängt wurden. Das war das eine Problem dieser Sendung am Sonntagabend: Sie war asymmetrisch. Sie kreiste um die moderat austarierten, diplomatisch glatt geschliffenen Statements Clintons und fand schlichtweg keinen Weg ins Freie, ins Diskursive und Streitbare. Dass es ein Makel ist, dass ausgerechnet in den USA noch keine Frau ins Weiße Haus einziehen konnte? Da waren sich natürlich alle einig. Aber dass eine ehemalige Außenministerin unwidersprochen das Handeln der National Security Agency als eine Art nicht abgesprochenes, fast kindliches Fehlverhalten einer Behörde beschreiben durfte: Das war dann doch etwas kurios.

Aber genau so war es nun einmal, leider. Von der Leyen durfte noch die ziemlich wohlfeile Mahnung kundtun, dass man die „Geheimdienste stärker an die Kandare“ nehmen müsse – als wäre das Handeln der Geheimdienste in Demokratien nur im Glücksfall und mit großer Willensstärke kontrollierbar. Doch da war man schon wieder einen Schritt weiter, und das war das zweite Problem der Sendung: Sie hatte nicht eigentlich ein Thema. Denn wenn man schon einmal einen so prominenten Gast im Studio hat, dann muss man natürlich auch alles durchsprechen, was so in den Zeitungen steht. Und es darf auch die Frage nicht ausbleiben, ob sie denn nun kandidieren wird für das Oval Office. Überraschung: Sie sagt es noch nicht.

Mehr als zwei Drittel der Deutschen attestieren den USA Machtgier und Überheblichkeit – die Ergebnisse dieser neuen dimap-Studie wurden in der Sendung nur am Rande gestreift. Die erheblichen Irritationen im transatlantischen Verhältnis vom Irak-Krieg bis zur Snowden-Affäre hätten das Thema des Abends sein können. Wenn man denn den Mut gehabt hätte, es bei einem Thema zu belassen.