Ärztemangel

Höhere Vergütung soll mehr Mediziner aufs Land locken

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Claudia Kade

Die Symptome sind schon seit Längerem zu beobachten – und in einigen Jahren droht mancherorts der Kollaps, wenn nicht bald ein Gegenmittel gefunden wird.

Der wachsende Ärztemangel auf dem Land wird in naher Zukunft zum Versorgungsrisiko für viele Patienten. Politik und Ärzteschaft kennen den Befund, aber ein wirksames Rezept dagegen haben sie noch nicht gefunden. Nun schaltet sich der Sachverständigenrat für das Gesundheitswesen ein, um diesem Personalmangel entgegenzuwirken. Das wichtigste Lockmittel: Ein kräftiger finanzieller Anreiz soll Mediziner aufs Land ziehen. Es geht um Vergütungszuschläge von bis zu 50 Prozent.

Nach Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) fehlen bundesweit rund 2600 Hausarztpraxen, die nach den Bedarfsplänen der Ärzteverbände für die Grundversorgung vor allem auf dem Land nötig wären. Außerdem fehlen rund 2000 Facharztpraxen. Der Mangel verschärft sich, wenn bis zum Jahr 2021 bundesweit rund 51.000 Haus- und Fachärzte in den Ruhestand wechseln. Und die Entwicklung hat schwerwiegende Folgen, besonders für die älteren Patienten: Fehlt der Hausarzt, bleiben zumeist auch Apotheker und Physiotherapeuten weg.

„Unsere Analysen zeigen, dass die bisherigen Maßnahmen bei Weitem nicht ausreichend sind, um einer sich abzeichnenden Unterversorgung in strukturschwachen, ländlichen Regionen entgegenzuwirken“, sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrates, Ferdinand Gerlach, in Berlin. „In unserem Gutachten empfehlen wir einerseits, zukünftig deutlich stärkere Anreize für eine Tätigkeit in ländlichen Regionen zu setzen und andererseits entschlossene Maßnahmen zum Abbau der Überversorgung in Ballungsgebieten zu ergreifen.“ Konkret empfehlen die Sachverständigen, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen beim Ausscheiden von Medizinern die jeweiligen Arztsitze in den überversorgten Gebieten aufkaufen – also etwa in dicht besiedelten Stadtteilen mit hoher Einkommensstruktur. Wenn dort eine Wiederbesetzung für die Versorgung nicht erforderlich ist, sollten die Arztsitze stillgelegt werden.

Darüber hinaus legten die Experten ein Konzept für örtliche Gesundheitszentren vor, in denen Gesundheits- und Pflegeversorgung vernetzt werden. Um die Notfallversorgung sicherzustellen, wird eine engere Zusammenarbeit von Notaufnahmen in den Krankenhäusern, vertragsärztlichem Bereitschaftsdienst und Rettungsdiensten vorgeschlagen. Das Gutachten wurde am Montag in Berlin an Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) übergeben.

Insgesamt gibt es in Deutschland rund 52.000 Hausarztpraxen und etwa 66.400 Facharztpraxen. Doch die meisten Mediziner zieht es in mittelgroße Städte und in die Metropolen, weil sie dort auf eine komfortable Infrastruktur etwa in Sachen Kinderbetreuung und Freizeitangebot setzen können. Auf dem Land bleiben sowohl im Osten als auch im Westen des Landes viele Praxen unbesetzt, wenn ein Arzt in den Ruhestand geht.