Fahndung

Erneut gelingt Häftlingen die Flucht

Vier Insassen überwinden Stacheldrahtzaun des Gefängnisses Plötzensee

Erneut sind in Berlin Straftäter aus dem offenen Vollzug geflohen. Aus der Strafanstalt Plötzensee seien vier Männer entwichen, sagte Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) am Donnerstag im Abgeordnetenhaus. Pikant: Sie nutzten dabei wie kürzlich beim Ausbruch aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) Moabit Decken und Kleidungsstücke, um einen mit Stacheldraht versehenen Zaun zu überwinden. Am Mittwoch um 18 Uhr entdeckten Justizvollzugsbeamte die Spuren der Flucht. Sie zählten daraufhin die Insassen in dem Zellenkomplex für den offenen Vollzug am Friedrich-Olbricht-Damm in Charlottenburg und bemerkten, dass vier der Insassen fehlten.

Einer der vier Geflohenen stellte sich noch am selben Abend, wenige Stunden nach seiner Flucht, gegen 21 Uhr der Polizei. Dabei soll er nach Informationen der Berlinern Morgenpost stark alkoholisiert gewesen sein. Die drei anderen Häftlinge befinden sich noch immer auf der Flucht. Nach ihnen wird gefahndet. Sie sind zwischen Ende 20 und Anfang 30 Jahre alt und haben die deutsche Staatsangehörigkeit. Alle Männer hatten nach Angaben einer Justizsprecherin mehrmonatige Ersatzfreiheitsstrafen zu verbüßen, weil sie Geldbußen zwischen 700 und 2000 Euro zu bezahlen hatten und dies nicht taten. Zwei von ihnen sind arbeitslos, einer ohne festen Wohnsitz. Unklar ist das Motiv für die Flucht. Denn die Männer befanden sich im offenen Vollzug.

Erst Mitte Mai waren zwei Häftlinge aus der JVA Moabit geflohen. Einer der beiden Flüchtigen war etwa zwei Wochen später in einem Charlottenburger Hotel gefasst worden. Eine Mitarbeiterin hatte ihn nach der von der Polizei öffentlich gemachten Fahndung erkannt, obwohl er sein Aussehen verändert hatte und mit einem englischen Akzent sprechend vorgab, ein Tourist zu sein.

Ins Ausland abgesetzt

Sein Komplize, der 34-jährige Metin Michael M. – mutmaßlicher Mörder eines Berliner Clubbetreibers – ist noch immer auf der Flucht. Er ist wegen Mordverdachts angeklagt und war seit dem 23. März 2013 in der JVA Moabit untergebracht. Ihn erwartet bei einer Verurteilung eine hohe Haftstrafe. Es wird angenommen, dass er sich ins Ausland abgesetzt hat. Nach ihm wird jetzt europaweit gefahndet.

Die beiden Häftlinge hatten in Moabit zunächst die Gitterstäbe an ihren Zellenfenstern durchsägt. Mit Bettlaken hatten sie sich anschließend auf den Hof des Gefängnisses abgeseilt. Anschließend waren die zwei Männer, deren Zellen sich nebeneinander befanden, über bis zu vier Meter hohe und mit Stacheldraht gesicherte Mauern und Zäune geklettert und schließlich auf die Straße Alt-Moabit in die – wenn auch vorübergehende – Freiheit gesprungen.

Eine Suche mit Spürhunden durch die Polizei hatte lediglich den Hinweis gebracht, dass die Häftlinge zur nächsten S-Bahnstation geflüchtet waren. Dort hatte sich ihre Spur verloren. Offenbar waren die Männer von dort aus getrennte Wege gegangen. Es war seit 15 Jahren die erste gelungene Flucht aus dem Moabiter Gefängnis mit rund 1000 Plätzen. Anschließend hatte es vor allem Kritik am baulichen Zustand sowie der Personalstärke in den Justizvollzugsanstalten gegeben.

Für Aufsehen hatte erst vor wenigen Tagen eine erfolgreiche Flucht aus der Justizvollzugsanstalt Düppel gesorgt. Dort war ebenfalls ein Häftling, der sich im offenen Vollzug befand, entkommen. Er saß wegen zahlreicher Drogendelikte ein und hatte nur noch 111 Tage der insgesamt dreijährigen Haftstrafe zu verbüßen. Warum er so kurz vor seiner Haftentlassung die Flucht begangen hat, ist bislang unklar.