Islamisten

Ultrabrutal – und mit deutscher Beteiligung

Isis will einen Gottesstaat errichten und auch Europa empfindlich treffen

Sie schlagen ihren Feinden die Köpfe ab – und bieten Kindern in von ihnen besetzten Gebieten Eiscreme an. Abschreckung und Anbiederung. Eine krude Taktik, die der Dschihadisten-Gruppe, die jetzt zum Sturm auf Bagdad aufruft, einem Ziel dient: den „Islamischen Staat im Irak und Syrien“ zu bilden. Diesem Ziel ist die Isis näher gekommen, als es viele für möglich gehalten hätten. Die Kämpfer haben Einfluss auf ein Gebiet, das von der syrisch-türkischen Grenze im Norden bis zu einem Radius von 65 Kilometern vor der irakischen Hauptstadt reicht.

50 Islamisten aus Berlin

Dabei schienen US-Truppen den einstigen Al-Qaida-Ableger längst besiegt zu haben. Doch die Wirren des syrischen Bürgerkrieges wirkten für die Gruppe wie ein Rekrutierungsprogramm. Ihr Führer, Abu Bakr al-Baghdadi, erkannte in den teils anarchischen Zuständen des Landes die Chance, seine Vision eines „islamischen Staates“ voranzutreiben. Anfangs begrüßten moderatere Rebellen die kampferprobten Neuankömmlinge. Bald waren sie aber geschockt von ihrer Brutalität. Schließlich überwarf Isis sich sogar mit der ebenfalls militant-islamistischen, im Vergleich aber weniger brutalen Nusra-Front. US-Geheimdienste gehen davon aus, dass Isis über 7000 bis 10.000 Gefolgsleute verfügt.

Die meisten kommen aus Syrien, Irak oder anderen arabischen Ländern, viele auch aus Tschetschenien. Immer häufiger schließen sich aber Europäer der Isis an – darunter Deutsche. Sie heißen Kerim, Philipp oder Burak und kommen aus Kleve, Dinslaken oder Wuppertal. In Syrien nennen sie sich Abu Zulfiqar, Abu Osama oder Abu Abdullah. Etwa 320 Islamisten aus Deutschland sind in den vergangenen Jahren nach Syrien gereist. Einige leisten humanitäre Hilfe. Doch viele kämpfen als selbst ernannte Gotteskrieger.

Die deutschen Sicherheitsbehörden sind alarmiert. Denn deutsche Islamisten posieren in Syrien nicht nur mit abgeschlagenen Köpfen von „Ungläubigen“. Wenn sie nach Deutschland zurückkehren, stellen sie auch eine „erhebliche Gefahr“ für die innere Sicherheit dar. So formulierte es der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen. Etwa hundert Islamisten sind nach Angaben des Amtes zurückgekehrt – hoch radikalisiert, abgestumpft und geschult im Umgang mit Waffen und Sprengstoff, so die Befürchtung. Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) bezeichnete sie kürzlich als „tickende Zeitbomben“.

Welche Gefahr von Rückkehrern ausgehen kann, zeigte am 24. April ein Franzose. Der 29-jährige Islamist hatte sich in Syrien Dschihadisten angeschlossen. Nach seiner Rückkehr erschoss er im Jüdischen Museum in Brüssel ein Touristenpaar aus Israel, eine Französin und einen Wachmann. Einen ähnlichen Anschlag halten Sicherheitsbehörden auch in Deutschland für denkbar. Anhaltspunkte für „einen konkreten terroristischen Auftrag“ gebe es zwar nicht, sagte Maaßen kürzlich. Eine lückenlose Überwachung aller Rückkehrer können Polizei und Verfassungsschutz aber nicht leisten.

Aus Berlin sind rund 50 Islamisten nach Syrien ausgereist. Die Zahl der Rückkehrer bewegt sich nach Informationen der Berliner Morgenpost im niedrigen zweistelligen Bereich. Der prominenteste heißt Denis Cuspert. Als Gangster-Rapper sang er einst vom harten Leben am Kottbusser Tor. Dann wurde er zur Gallionsfigur des dschihadistischen Teils der Salafisten-Szene und schloss sich Isis an. Mehrfach kursierten Meldungen, er sei „als Märtyrer“ gefallen. Wenig später zeigte Cuspert sich aber in einer neuen Videobotschaft. Andere Isis-Kämpfer aus Deutschland hatten weniger Glück. Mehr als zwei Dutzend haben ihr Leben verloren.