Staatsbesuch

Obama in Japan: Sushi essen am Abend, Streit regeln am Tag

Während Bundewirtschaftsminister Sigmar Gabriel in China weilt, ist US-Präsident Barack Obama in Japan unterwegs.

Das Treffen mit dem japanischen Premierminister Shinzo Abe ist ein weiterer Baustein seiner Asienstrategie: Er versucht sich als Streitschlichter zwischen Südkorea und Japan, um dadurch den unsichtbaren Dritten, der bei allen Gesprächen im Raum sein wird, diplomatisch im Zaum zu halten: China.

Als sich Obama und Abe am Mittwochabend zu einem privaten Essen in einem Sushi-Restaurant in Tokio trafen, haben sie sich wohl ein wenig Zeit genommen, um Höflichkeiten auszutauschen. Wenn beide an diesem Donnerstag ihre politischen Gespräche beginnen, dürfte es damit vorbei sein. Denn die Bündnispartner müssen eine Reihe sicherheitspolitischer, strategischer und wirtschaftlicher Fragen klären. Ihre bilaterale Beziehung steht auf dem Spiel. Abe hofft, dass sich die USA klar zu ihrer militärischen Allianz bekennen. Doch das Verhältnis von Abe und Obama gilt als von Misstrauen geprägt. Erst sollte Obama nach nur einer Nacht in Tokio weiterreisen, das ist zu kurz für einen vollen Staatsbesuch. Am Ende sagte er zu, länger zu bleiben. Zu besprechen gibt es viel. Nach Meinungsverschiedenheiten in den letzten Monaten kamen Zweifel auf, ob die USA auf Japan als verlässlichen Partner in Asien zählen können. Umgekehrt fragte man sich in Japan, ob man noch auf Hilfe der USA im Fall eines militärischen Zwischenfalls, etwa mit China oder Nordkorea, zählen könne.

Wenn er sich der Unterstützung der USA vergewissern will, muss Abe seine nationalistische Gesinnung, die immer stärker an die Oberfläche drängte, etwas zügeln. Damit belastet er das schon zum Zerreißen gespannte Verhältnis zu China weiter. Seit 2012 ist zwischen den beiden Nationen ein alter Konflikt aufgeflammt: Sie streiten um eine Inselgruppe, die in China als Diaoyu bekannt ist und in Japan als Senkaku.