Gameboy

Die Klötzchen und das Kosakenlied

Im April 1989 saß ich bei meiner Oma in Köln auf dem Sofa und hörte ein russisches Volkslied namens „Korobeiniki“.

Wieder und wieder. Erst jetzt, 25 Jahre später, habe ich den Namen des Liedes und seine Herkunft recherchiert. Ich dachte eigentlich immer, es sei exklusiv für „Tetris“ und den Gameboy komponiert worden. Dort dudelte es damals heraus, in Endlosschleife. Ich versuchte, vom Himmel herabregnende Klötzchen so zu schichten, dass sie eine horizontale Linie ergaben. Dazu die Melodie: dü düdildü düdildü düdildü düdildü di dü di dü dü dü. Es war eine Sucht. Pixelig und verheißungsvoll erschien die Moskauer Basilius-Kathedrale auf dem Display, wenn man den Gameboy einschaltete, und dann kamen die Klötzchen und diese Kosakenmelodie, die von der Weite eines riesigen Landes zu erzählen scheint und irgendwie auch von der Melancholie der Menschen, die dort leben. Das ergriff mich genauso wie das Spiel, in dem ich gefühlte Ewigkeiten versank – bis meine Oma mir auf die Schulter tippte. Es sei jetzt genug, sagte sie, ich solle bitte die Musik abstellen. Sie mag Russland nicht, das hat mit dem Krieg zu tun.