Gameboy

Der Cousin und das Verbotene

Es war so wie mit der Fanta. Nur noch stärker.

Unsere Mutter kaufte mir und meinen zwei jüngeren Brüdern nur selten Limonade. Und wenn es dann welche auf Kindergeburtstagen gab, tranken wir zu viel. Einen Gameboy durften wir auch nicht haben. Obwohl fast jeder eine hatte. Unser Cousin Frank hatte einen, und wenn wir bei ihm übernachtet haben, spielten wir bis tief in die Nacht „Tetris“ oder „Turtles“. Die Stunden, in denen die Akkus geladen wurden, waren lang. Und manchmal stritt ich mich mit meinen Brüdern, weil ich nach dem Game Over weiterspielen wollte. Zu dieser Zeit war mein dritter Bruder noch sehr klein. Doch 1994, als Stefan vier Jahre alt war, passierte es. Plötzlich. Einfach so. Ich kam von der Schule nach Hause und Stefan saß auf der Couch und drückte auf einem grünen Gameboy rum. Das ist nicht fair, sagte ich meiner Mutter. Andererseits war ich da schon 15 Jahre alt, der kleine Stefan natürlich unser Liebling – und er gab mir manchmal seinen grünen Gameboy. Dann zeigte er mir, wie das bei „Wario Land“ in den schweren Leveln genau funktioniert. Stefan studiert heute Informatik. Ich bin Journalist und tue mich mit Computern schwer. Mit einem Nintendo spielen kann ich jetzt aber, wann ich will. Am liebsten „Mario Kart“ auf der Wii – mit meiner Freundin, ganz ohne Streit. Auch wenn sie oft schneller ist.