Ukraine-Konflikt

Kiew bekommt Situation nicht in den Griff

Ukrainische Armeekolonne im Osten des Landes streckt die Waffen

Dem ukrainischen Militär gelingt es nicht, die Lage im Osten des Landes unter Kontrolle zu bringen. Angesichts des massiven prorussischen Widerstandes hat eine ukrainische Militärkolonne am Mittwoch die Waffen gestreckt. Die Soldaten begannen in der Stadt Kramatorsk damit, vor einem uniformierten Mann ohne Abzeichen ihre Waffen unbrauchbar zu machen. Die Kolonne gepanzerter Fahrzeuge war umringt von einer Gruppe prorussischer Aktivisten. Im Gegenzug erhielten die Soldaten die Zusicherung, den Rückweg antreten zu können.

Die ukrainische Regierung hatte eine Militärkolonne mit 20 Panzern beziehungsweise gepanzerten Fahrzeugen in die Stadt Slawjansk schicken wollen, die jedoch am Dienstag etwa 20 Kilometer entfernt in Kramatorsk von „Anwohnern“ gestoppt worden war, wie das Verteidigungsministerium erklärte. Mehrere Panzer seien am Mittwoch von „einer russischen Gruppe terroristischer Saboteure“ gekapert worden, hieß es weiter. Die übrigen Fahrzeuge blieben zunächst unter der Kontrolle der ukrainischen Militärs, bis diese am Nachmittag die Waffen streckten.

Zudem besetzten prorussische Separatisten ein weiteres Verwaltungsgebäude in Donezk. Außerdem gab es einen Tag nach Beginn der Militäraktion der ukrainischen Armee Berichte über Überläufer. Im ostukrainischen Industriezentrum Donezk wurde das Rathaus offiziellen Angaben zufolge von mindestens 20 Bewaffneten gestürmt. Die Separatisten halten Verwaltungsgebäude in zehn Städten im Osten der früheren Sowjetrepublik besetzt.

Die Regierung will die Aktionen mit einem Antiterroreinsatz beenden, der nach Aussagen der Verantwortlichen verantwortungsvoll und ohne viel Blutvergießen geführt werden soll. Ein zu den Separatisten übergelaufener Soldat sagte in Slawjansk, er und andere Angehörige der Fallschirmjäger hätten sich entschieden, die Seiten zu wechseln, weil sie nicht auf das eigene Volk schießen wollten. „Sie haben uns in unserem Stützpunkt drei Tage lang nichts zu essen gegeben. Hier bekommen wir etwas zu essen. Was glauben Sie, für wen wir kämpfen?“

Durch die Stadt fuhren mindestens sechs Schützenpanzer mit der russischen Flagge. Auf den Fahrzeugen saßen mit Kalaschnikow-Gewehren, Granatwerfern, Messern und Pistolen bewaffnete Männer in Uniformen mit unterschiedlichen Tarnmustern. Es handelte sich offenbar um prorussische Kräfte. Die Panzer, die auch die Separatistenflagge trugen, machten halt vor dem Rathaus der Stadt, das vor einigen Tagen von den Separatisten eingenommen worden war.

Einige Bewohner winkten den Männern zu und riefen: „Russland, Russland“ oder „Gut gemacht, Jungs!“ Mindestens drei in Slawjansk gesichtete Panzer hätten sich zuvor noch unter Kontrolle des ukrainischen Militärs in Kramatorsk befunden. Dies sei anhand der Nummern ersichtlich, mit denen die Panzer gekennzeichnet seien.